2 Wochen, 4 Länder, 16 Leute – Teil 2 (Sambia)

Von Nadine
Hier geht’s zum ersten Teil

Am Morgen verabschieden wir uns von den letzten Elefanten am Wasserloch im Senyati Safari Camp und machen uns mit einer gesunden Portion Nervosität zum berühmt und gleichermaßen berüchtigten Kazungula Borderpost auf (Grenze zwischen Botswana und Sambia). Wir kennen zwar die Grenze und die chaotischen Umständen, sind jedoch noch nie hier eingereist, sondern lediglich von Sambia nach Botswana gereist, was um einiges einfacher von statten ging. Damals waren wir jedoch “nur” mit einem Fahrzeug unterwegs und nicht gleich mit vier.

Der Übergang

Wir passieren also die LKWs, die bereits ca. 4 km vor dem Grenzübergang – teilweise mehrere Tage – auf die Überfahrt mit der Fähre warten. Ist zwar schön hier, aber hinten anstellen möchten wir uns sicher nicht. Also vorne ran gefahren, aus Botswana ausgereist und an der Fähre angestellt. Schon vor der Ankunft der Fähre werden wir von einem “Eh I can help you”-Guy angesprochen, der bereits seine Kollegen auf der anderen Seite des Flusses informiert hat, dass eine vermeintliche Opferkolonne mit 4 Fahrzeugen in Anmarsch ist. Im Hintergrund hört man schon sein gedankliches Klingeln des Goldsäckchens am Hosenbund. Etwas irritiert ist unser aufdringlicher Helfer, als wir ihm nicht glauben, dass man die Fähre in Kwacha bezahlen MUSS. Er hätte uns selbstverständlich den Familien- und Freunde-Wechselkurs angeboten und uns mit dieser Währung ausgeholfen. Als wir alle Autos (die Fähre hätte keine 30 cm kürzer sein dürfen) sicher neben einem ehemaligen Truck aus der DDR mit Atomwarnung auf dem Anhänger gesichert haben, fängt die Diskussion auch schon an… Unser Helfer versucht noch vor Nadines Augen den Kapitän daran zu erinnern, dass dieser doch nur Kwacha annimmt, wovon dieser selbst nichts mehr weiß. Also wird in Pula bezahlt (zum offiziellen Wechselkurs) und wir können die Fähre verlassen.

Sekunden nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, sind wir auch schon mit den Kollegen unserer hilfsbereiten Klette von der anderen Seite vertraut und schützen die Autos mit Leib und Leben gegen eine überflüssige Wäsche und einer damit verbundenen Gebühr von 10 US Dollar. Inmitten dieses Gedränges kommt ein Rastamann mit einem gelben T-Shirt auf uns zu und sagt er ist der bestellte Helfer…

Ah… so tell me your good name my friend.

Seine Antwort kam halb flüsternd:

Rasta.

Okay, Leute wir haben den Richtigen! Hier geht es nicht um einen Drogendeal, sondern er ist der Mann, der uns von der Autovermietung empfohlen wurde, der vertrauenswürdig ist und die Touristen nicht übers Ohr haut. Mit ihm hatten wir schon am Morgen telefoniert und er bat uns, nicht nach ihm zu fragen, da sonst viele andere in seinem Namen handeln würden. Rasta ist also für die kommenden 3 Stunden unser GPS auf der Suche nach dem Passierschein A 38 und leistet hervorragende Arbeit. Nachdem wir dann in unseren frisch gewaschenen Autos die enttäuschten Gesichter

I said DO NOT WASH.

hinter uns lassen und von Rasta verabschieden, habe ich das Gefühl eine Oase getroffen zu haben. Danke Rasta!

Das Rasta-Prinzip

Warum hat Rasta uns eigentlich so geholfen und woher wissen wir, dass wir nicht auch übers Ohr gehauen wurden? Wichtig ist es zu wissen, wie der aktuelle Wechselkurs steht und wie sich Rasta finanziert… Zum einen bekommt er Provision aus den Versicherungen, die man abschließen muss und von denen es etliche Anbieter direkt an der Grenze gibt. Das klingt jetzt modern… in der Realität sind es verschiedene Container, in denen ein Mensch und eine Maschine (darf man das noch Computer nennen) sitzen. Auf der anderen Seite spekulieren alle Geldwechsler permanent und haben dadurch immer ihren ganz eigenen Wechselkurs, den sie anwenden. Dieser kann je nach Spekulation gut oder schlecht ausfallen und wird gegenüber der lokalen Bevölkerung auch jedes mal hart verhandelt. Wir haben diesen vorher nicht verhandelt, haben dann aber einen sehr guten Wechselkurs bekommen, was auch der Grund ist, dass Rasta einer der best-beschäftigten Männer an dieser Grenze ist. Er sieht die passierenden Touristen nicht als Opfer, sondern als Chance durch faire Geschäfte sich einen Namen zu erarbeiten.

Von Botswana nach Afrika

Ist Ägypten Afrika? Ist Marokko Afrika? Ist Tunesien Afrika? Ja. Kann man es mit dem südlichen Afrika vergleichen? Nein. Kann man Finnland mit Spanien vergleichen? Nein.

Kann man Botswana mit Sambia vergleichen? Teilweise.

Obwohl diese benachbarten Länder im gemeinen Sprachgebrauch dem südlichen Afrika zugeordnet werden, fällt es bereits an der Grenze auf: Es ist chaotischer, ärmer und es sind sehr viel mehr Menschen unterwegs. Botswana, welches seinen Reichtum neben dem Tourismus und der Viehzucht aus den enormen Bodenschätzen zieht, wird oft in etwas saloppen Formulierungen auch als die Schweiz Afrikas betitelt. Botswana hat ohne Zweifel in einigen Regionen mit Armut und schlechter Infrastruktur zu kämpfen, geschweige denn mit der hohen Kindersterblichkeit und dem überall präsenten HIV-Problem.

Trotzdem hat man immer das Gefühl in einem stabilen und zufriedenen Land unterwegs zu sein. Dieses Gefühl wird einem relativ schnell genommen, wenn man die chaotische Grenze Sambias hinter sich gelassen hat und den ersten dickbäuchigen Polizisten unmotiviert mit der Hand winkend die Straßenblockade beaufsichtigen sieht. Da wird fast schon das adrette Auftreten der botswanischen Ordnungshüter vermisst. Nun gut… ordnen wir uns eben wieder unter und bedanken uns freundlich bei seiner Durchlaucht und fahren auf direktestem Weg nach Livingstone und entern den örtlichen Spar-Supermarkt um Vorräte aufzustocken und nach dieser Grenzerfahrung wieder auf andere Gedanken zu kommen. Nach dem üblichen

Yes, very beautiful… Ah you did it yourself? Mhm in your Village… No thank you

Touristenort Gespräch, ziehen wir weiter zur Taita Falcon Lodge. Diese erreichen wir nach einigen Holper- und Stolperwegen und sind zunächst von der Aussicht überwältigt, die uns von der Rezeption aus bietet.

Die Lodge

Der Campingplatz der Taita Falcon Lodge ist riesengroß und und bietet neben einer schönen Feuerstelle auch eine Toilette und Dusche mit charmanter Tür aus einer Bambusmatte. Warmwasser gibt es mithilfe von Spiritus und eines Durchlauferhitzers… was definitiv nicht für eine Horde von 16 Leuten ausgelegt ist. Mit der Aussicht auf die Gischt der Viktoria Wasserfälle am kommenden Tag und einem wunderschönen Sonnenuntergang verschieben einige Reisende ihre Duschpläne.

Nachdem die obligatorischen 4 Kg Huhn, einen großer Haufen Maisbrei und allerlei Beilagengemüse wie Süßkartoffeln, Butternut-Kürbis und Paprika, gegrillt und gekocht sind, sitzen wir wie jeden Abend in unserem Stuhlkreis und besprechen den vergangenen Tag und was uns morgen alles erwarten wird.

Zweifelsohne steht uns heute ein Highlight bevor. Der Besuch der Viktoria Wasserfälle. Unser Security Chef des Platzes (reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, da es weit und breit keine Gefahren gibt) lädt uns ein, sein Heimatdorf zu besuchen, was einige Reisende gerne nach den Wasserfällen wahrnehmen möchten. Gerade als wir aufbrechen, hält uns jedoch die Gruppe zurück und überrascht uns damit, dass wir bei unserem fünften Mal an den Wasserfällen nicht die gewohnte Perspektive erleben werden…

Nein, heute wird euch der Herzblatt Hubschrauber mitnehmen auf eine tolle Reise über die Victoriafalls! Erleben Sie die spektakulären Aussichten aus einer Höhe von 500 Metern und schweben Sie über die 1,5 km lange Schlucht…

YAY! WIR FLIEGEN ÜBER DIE WASSERFÄLLEEEEEE MIT DEM HUBSCHRAUBER!!!

Nachdem die anderen alle aufbrechen, um uns vom Boden aus zu zuwinken, sind wir also das erste Mal auf dieser ganzen Reise entspannt alleine (wir müssen nichts organisieren oder einkaufen). So fühlt sich das also an, wenn die Kinder ausziehen.

Ein wenig später brechen wir also auf und fahren zum Abflugplatz. Was soll man sagen? Schaut euch die Bilder an.

Als wir uns alle am Abend wiedertreffen und auf den warmen Steinen am Rand der Schlucht, der direkt neben unserem Zeltplatz ist, sitzen, haben wir also alle die verschiedensten Geschichten zu erzählen:

Wasserfälle: atemberaubend, nass und viel wandern

Helikopter: Ich verweise erneut auf die Bilder

Dorfbesuch: anders, warmherzig, interessant, nachdenklich

Details gibt es wieder beim abendlichen Stuhlkreis. Natürlich ist dies nur ein sehr kleiner Auszug an Aktivitäten, was die Viktoria Wasserfälle bieten. Jedoch sind wir alle keinen großen Fans von Bungeesprüngen, Wildwasser Rafting oder sonstigen Tierstreichelaktivitäten (Löwen, Elefanten o.ä,) . Wir holten uns quasi das Adrenalin aus der Schönheit der Natur und den Erlebnissen. Um das Adrenalin des Tages zu verarbeiten gehen alle früh schlafen.

Neue Wege

Die 10 km Holperstrecke von der Taita Falcon Lodge überwältigen wir ein letztes Mal und fahren durch Livingstone. Am Ortsende biegen wir ab und halten uns Richtung Lusaka. Wir sind überrascht von der relativ guten Straßenbeschaffenheit und entdecken auch bald den Grund dafür… Chinesische Planer und afrikanische Arbeiter arbeiten Hand in Hand und erneuern die Straße an vielen Stellen. Oft davon gehört, doch ein wundersamer Anblick (wir hatten diese Situation zwar schon bei vorherigen Reisen in Sambia und Mosambik gesehen, können uns jedoch nicht daran gewöhnen, wenn man sich mit den Hintergründen beschäftigt). Die Fahrt ist eher langweilig, was man am regen Funkverkehr hören kann… so werden die Walki Talkies für Anekdoten aus den anderen Autos verwendet und Witze erzählt. Tolle Sache solche Funkgeräte. Bis dann irgendwann kurz vor Lusaka mitten in einer Baustelle ein Funkspruch kommt

Ups, wir müssen mal kurz an die Seite fahren

Einer mehr für die Kategorie Funksprüche, die man nicht hören mag.

Das Pollergate

Eine einspurige Baustellenstraße, Betonbegrenzung auf der linken Seite, gespickt mit Betonpollern (Höhe ca. 40 cm). Aufgrund der ungewohnten Sitzposition und der schlechten Sicht durch die hohe Motorhaube, übersieht einer unserer Fahrer den angesprochenen Poller. Der Schlag, der durch ein frontales Überfahren eben des Pollers verursacht wird, ist enorm (auch wenn man nicht dabei war). Nun ja, Reifen noch ganz, Felge verbogen… Reifen wechseln ist mal wieder angesagt.

Wir durchqueren Lusaka zur Hauptverkehrszeit, was uns etwas Zeit gibt dem Treiben genauer zusehen zu können. Die Fringilla Lodge ist eine Farm, die genug Platz und einen großen Campingplatz sowie ein Restaurant bietet, welches die, auf der Farm produzierten, Produkte direkt verarbeitet. Wir genießen das Essen im Restaurant und feiern den Abschied zweier Mitreisender, die sich am kommenden Tag verabschieden um von Lusaka aus die Heimreise anzutreten. Also unser letzter Stuhlkreis zu sechzehnt und gewissermaßen auch Bergfest der Reise, da wir den geographisch nördlichsten Punkt erreicht haben, bevor es am kommenden Tag nach Simbabwe an den Karibasee geht.

Shopping in Lusaka

In Lusaka gibt es einen großen Souvenirmarkt, auf dem wir uns die Zeit vertreiben, solange das am Vortag verpollerte Fahrzeug auf der Suche nach einem Toyotahändler ist, der das Lenkrad und die Windschutzscheibe wieder zurechtrücken könnte, was wohl noch Spätfolgen des Pollers sind. Unsere beiden Heimreiser organisieren sich eine günstige Mitfahrgelegenheit zum Flughafen und der Rest kauft ein was das Zeug hält.

Mit etwas Verspätung sind wir bald wieder vollständig und das Auto notdürftig geflickt (der Toyotahändler hätte in ca. 3 Tagen Zeit gehabt…) Also stellen wir uns hinten in der Autoschlange an und fahren aus dem Gewusel Lusakas wieder Richtung Süden. Unterwegs beommen wir die dürftige Versorgungslage auf dem Land zu spüren. Kein Supermarkt weit und breit… Was essen wir zum Mittag? Wir halten an einer Ansammlung von Bretterbuden, wo wir Toastbrot, Kekse und Obst kaufen. Das langweiligste Mittagessen der Reise gepaart mit dem spannendsten Einkauf der Reise.
Wir setzen unsere Reise fort und erreichen genau im Zeitplan die Grenze am Karibasee. Unsere Ausreise aus Sambia funktioniert problemlos. Wir überqueren mit kurzem Stopp auf der Staumauer das Niemandsland des Karibasees und finden uns kurze Zeit später mit der größten Hürde der Reise konfrontiert… einem angeblichen Interpoloffizier, der unsere Reise verzögern wird und uns zu diskussionsmäßigen Hochleistungen antreibt.

Hier geht’s zum dritten Teil

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