2 Wochen, 4 Länder, 16 Leute – Teil 3 (Simbabwe-Südafrika)

Von Nadine
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Simbabwe ist wie ein guter Club – schwer rein zu kommen, aber drinnen ist es spektakulär!

Wir lassen also die Kariba Staumauer hinter uns und erreichen die Einreisebude auf der Seite von Simbabwe (Grenzgebäude auf Deutsch). Die Formalitäten und das Dokumenteausfüllen per Hand (PC war spontan kaputt) dauert wieder einige Zeit. Wir sind noch voll im Zeitplan und nachdem wir alle brav unsere Visagebühren, den Einreisezettel und unsere Pässe in genau – und zwar GENAU – dieser Reihenfolge dem grummeligen Grenzmensch überreicht haben, geht schon fast die Sonne unter. Also schnell ins Auto und durch die Schranke. Als der Mann in zivil jedoch anstatt die Schranke zu bedienen auf uns zu kommt und sich als “Interpolpolizist” vorstellt, ahne ich bereits böses… Besagter Polizist ist in einigen Foren bereits bekannt und er stellt sogleich die Frage nach der “Police Clearence”.

Kurzer Exkurs: Police Clearence ist ein Dokument der südafrikanischen Polizei, welches außerhalb von Südafrika nachweist, dass das Auto ein reines Gewissen bezüglich Führungszeugnis hat und nicht gestohlen gemeldet wurde. Autovermietungen können diese Police Clearence oft nicht nachweisen, da der Fahrzeughalter meistens die Leasingfirma/Bank ist, über die das Auto angeschafft wurde und wir als letztendliche Mieter keine Möglichkeit haben dieses Dokument selbst zu organisieren (Stand 2014). Dies wissen die Grenzpolizisten und fragen Touristen gerne nach diesem Dokument, um dann für ein verhandelbares Entgelt interpolmäßig ein nutzloses Papier auszustellen, welches besagt, dass das Auto nicht geklaut ist. Die Gebühr variiert von Auto zu Auto zwischen 100 und 200 USD.

Für 4 Autos also eine Gebühr von, im schlechtesten Fall, 800 USD. Was machen wir also? Ich empfehle folgende Eskalationstufen:

Stufe 1: freundlich lächeln und so tun, als hätte man keinen Schimmer, was der freundliche Gesetzeshüter meint.

Stufe 2: Hintergründe erfragen und Ablauf beschreiben lassen, wie man an ein solches Dokument kommt (in Südafrika).

Stufe 3: Fragen, wo die nächste Polizeistation ist, von der man eine zweite Meinung einholen kann. (die “Interpolpolizisten” sind bei der normalen Polizei wohl nicht sonderlich beliebt, seit der Präsident Robert Mugabe beschlossen hat den Tourismus im Land zu fördern)

Stufe 4: Nach den Unterlagen und der Telefonnummer für das Tourismusministerium suchen und den Herren darauf aufmerksam machen, dass die uns bestimmt weiter helfen können und er mit den Kollegen am Telefon sprechen kann.

Stufe 5: Androhen die Dachzelte auf zu bauen und vor seiner Schranke zu nächtigen.

Nach unzähligen Andeutungen, dass er das “regeln” könnte, hat er dann auch begriffen, dass wir für Deals dieser Art nicht zu haben sind. Nach sage und schreibe einer Stunde Diskussion versucht der Beamte sein Gesicht zu wahren und überprüft alibimäßig die Fahrgestellnummern unserer Autos, die wir für ihn sauber putzen durften.

Nun ja… Schwamm drüber und in der Dunkelheit geht es also in das beschauliche Städtchen Kariba. Wir fahren ein wenig in der Gegend herum, was einem Gamedrive bei Nacht ähnelt. Wir sehen einige Büffel durch den Ort ziehen, sehen Zebras am Straßenrand und werden von einem Elefanten im Camp begrüßt. Willkommen im Warthogs Bush Camp.

Kaum angekommen, zieht es uns alle ins Restaurant und wir genießen den Luxus, den zweiten Tag hintereinander essen serviert zu bekommen und lassen die Campküche kalt…diese war ohnehin gerade durch einen durchs Camp streifenden Elefantenbullen belegt. Nach dem obligatorischen Reifen (klassischer Nagel) flicken geht es dann auch bald ins Dachzelt. Aufgrund unserer späten Ankunft am Vorabend in der Dunkelheit, sehen wir erst am nächsten Morgen an was für einem wundervollen Ort wir uns befinden. Ein paar Schritte neben unseren Fahrzeugen liegt der Kariba See direkt zu unseren Füßen und wir beobachten in einigen hundert Metern eine Gruppe Flusspferde (sind Flusspferde in einem See eigentlich Seepferde?!?) beim letzten Snack für den Tag bevor sie den Tag im Wasser verbringen.

Mana, Mana

Aufgrund unserer zuneigegehender Vorräte und den kommenden zwei Nächten im Mana Pools Nationalpark suchen wir zuerst einen funktionierenden Geldautomat, eine Tankstelle mit ausreichend Diesel und einen Supermarkt. Was vor 7 Jahren noch eine fast unlösbare Aufgabe gewesen wäre, funktioniert dank neuer Währung im Jahr 2014 wieder bestens. Nach einem netten Plausch mit dem Bankautomat-Sicherheitsmann, füllen wir also unsere Vorräte auf und starten unsere Reise nach Mana Pools. ca 15 Km hinter Makuti und 8 km vor der Abbiegung Richtung Mana Pools Nationalpark (Chimutsi Gate) holen wir unsere Originaldokumente nach Vorzeigen unserer Reservierung zum Eintritt in den Park ab. Kurz darauf geht es steil den Berg runter in das Sambesi Tal und zum ersten Gate in den Park.

Nach kurzer Kontrolle geht es auf einer der schlechtesten und schlimmsten Wellblech Pisten immer tiefer in den Busch. Die insgesamt 70 km versprechen viel Schaukeln, klappern und innerliches Zusammenzucken. Also fahren wir mit durchschnittlich 25-30 Km/h, träumen vor uns hin und glauben im ersten Moment nicht, als wir hören von Auto 4

krrrk eh krRRrrrRk da sind Löwen! krk

Ok… Alle mal umdrehen und tatsächlich sitzen da zwei Löwen direkt neben der Straße. Es sind also tatsächlich dreizehn Augenpaare an den beiden Katzen vorbeigefahren.
Noch mit einigermaßen Adrenalin im Blut kommt auch gefühlte 500 Meter später der nächste Funkspruch. Noch mehr Löwen? Andere Tiere? Nee. Der obligatorische Plattfuß!
Ungutes Gefühl wenn man gerade Löwen gesehen hat. Also einer ab aufs Dach und zwei in Rekordgeschwindigkeit den Reifen gewechselt.

Adrenalinschub Nr. 2 innerhalb von 30 Minuten. Es sollte nicht der letzte sein an diesem Tag. Nach 40 Km kommt eine zweite Kontrollschranke und wir zeigen einmal mehr unsere Papiere. Den Rest der Strecke bringen wir auch noch hinter uns und checken wenig später am Camp ein.
Nach der anstrengenden Anfahrt setzen wir uns erstmal unter unseren Baum und kümmern uns um den Flüssigkeithaushalt.

Adrenalinmoment 3:

Wir hängen also alle in den bequemen Campingstühlen und beobachten von weitem ein Elefant, wie er sich langsam dem Camp nähert. Und nähert. Und nähert und… Eh warte mal! Bleibt der nochmal stehen oder dreht ab? Nachdem das Rüsseltier dann nur noch 5 Meter entfernt ist und genüsslich die auf dem Boden liegenden Hülsenfrüchte verspeist, beschließen wir also den Rücktritt an zu treten und verlassen ruhigen Fußes den Stuhlkreis und suchen Schutz hinter einem Auto. Es sollte nicht der letzte Elefantenbesuch sein. Es sollte nicht der letzte Tierbesuch sein…

Kuscheltiere, oder so

Den Nachmittag und Abend nehmen wir uns frei… Pläne für den kommenden Tag? Nein.
Nach so vielen Reisetagen fällt uns das Ausschlafen schwer und es sind doch wieder alle um 7 wach. Na ja, dafür hat man mehr vom Tag.

Nach einem ausgiebigen Hochzeitsbrunch und einem weiteren Elefantenbesuch entspannen wir den ganzen Tag. Einige erkunden die Umgebung, andere bewegen sich nur im Ausnahmefall aus ihren Stühlen. Lesen, spielen und genießen – der Inbegriff von Entspannung, gepaart mit einem Elefantenbesuch (sonst wären einige sicher gar nicht aufgestanden). So entspannt der Tag, so spannend der Abend.

Kurz nach dem Abendessen und der obligatorischen Tagesrücksicht und Planung für den kommenden Tag, macht sich ein Rudel Löwen unweit des Camps breit und ist ziemlich laut. Zu den Löwen gesellen sich bald einige aufdringliche Hyänen, die langsam immer kleinere Kreise um das Camp ziehen. Irgendwann beschließen wir den geschlossenen Rückzug in die Zelte und beobachten kurz darauf, wie eine Hyäne versucht, dass vom Grill tropfende Fett aufzulecken. Müll oder Essensreste haben wir natürlich vorsorglich sicher entsorgt (im Auto deponiert). Das diese Tiere aber eine Vorliebe für Turnschuhe haben, bekam mein Mann am nächsten Morgen zu spüren. Mit ein paar zusätzlichen Belüftungslöcher kann also die Weiterreise angetreten werden.

Mit Kescher auf Fliegen

Nach dem beschwerlichen Rückweg aus dem Park (ohne Reifenpanne hätte es auch keinen Spaß gemacht und wir wechseln am Gate den nächsten Reifen) geht es auf die Hauptstraße. Da wir im Tsetse-Fliegen Gebiet unterwegs sind, sind wir gezwungen kurz an einem Kontrollpunkt zu stoppen. Es ist schwer ernst zu bleiben, wenn ein erwachsener Mann in Uniform mit einem Aquarienkescher auf Fliegenfang im Auto geht… Kurz geschmunzelt und fliegenfrei geht es weiter ins Landesinnere.

Police!

Auf halbem Weg und nach ca. 7 Polizeikontrollen werden wir im ersten Auto von einem großen Gummistück getroffen, welches von einem entgegenkommenden LKW fällt. Mit großem Schreck und Glück stellen wir fest, dass das Auto gut davon gekommen ist. Die Windschutzscheibe lebt noch – das Frontlicht nicht mehr. Da man in Simbabwe für die abenteuerlichsten Sachen belangt werden kann, machen wir uns etwas Gedanken, aber fahren dann weiter, da wir auf die Schnelle kein Ersatz herzaubern können. Nach weiteren 10 (!) Polizeikontrollen (die wir weitgehend unbeschadet überstehen, abgesehen von einem falschen Überholvorgang, der ein paar Dollar kostet) kommen wir in Chinhoy an und liefern den Rest der Gruppe bei den bekannten Chinhoy Caves ab.

Wir machen uns direkt auf den Weg in die Stadt und versuchen den Scheinwerfer auszutauschen. Erfolglos. Na ja, das nette Gespräch mit dem wartenden Taxifahrers war es wert… danach waren wir aufgeklärt zur Lage der Nation und bezüglich der Marihuanaqualität in Simbabwe. Gut das der Taxifahrer gerade auf einen leitenden Polizeibeamten gewartet hat, den er nach Harare fahren musste. Schon alleine dieses beschreibt wohl die Lage der Nation relativ gut 😉

Von Chinhoy nach Masvingo

Eine der längsten Etappen und gleichzeitig diejenige mit den meisten Eindrücken erleben wir auf der Fahrt von Chinhoy nach Masvingo. Überall finden Gottesdienste statt, wir fahren durch herunter gekommende Dörfer mit letzten kolonialzeitlichen Gebäuden, atemberaubende Landschaften und werden am Abend mit einem der schönsten Campingplätzen auf der Tour belohnt. Das Norma Jeans Guest House bietet einen wunderschönen Ausblick, einen tollen gepflegten Garten und eine sehr gute Küche.

Mit etwas Abstand betrachtet wird die Nacht im Mana Pools Nationalpark mit Tierbesuch noch einmal thematisiert und zeigt, wie anspannend ein solches außergewöhliches Erlebnis ist und wie wenig der zivilisierte Mensch noch mit sehr natürlichen Vorfällen umgehen kann.

Drei Länder, ein Blick

Von Masvingo fahren wir weiter an die Grenze nach Südafrika. Diese ist leider heillos unterbesetzt und so warten wir 3h bei der Einreise nach Südafrika. Die Ausreise aus Simbabwe geschieht wiedererwartend schnell. Aufgrund der Verzögerung erreichen wir den Mapungubwe Nationalpark relativ spät und haben nur wenig Zeit noch die atemberaubende Landschaft am drei-Länder-Eck Botswana-Simbabwe-Südafrika.

Da der Park zweigeteilt ist, müssen wir zum Campingplatz einmal um den Park fahren und erreichen eine Minute vor Schließung den Park und den Campsite… Glück gehabt! Wir beschließen spontan die letzte Nacht in Johannesburg zu übernachten und noch ein wenig die Zeit zu nutzen um shoppen zu gehen. Davor sollten aber noch 2 weitere Reifen gewechselt werden.

Durch den Poller zwischenfall in Sambia hat es wohl die Achse etwas verzogen und die Reifen werden extrem ungleichmäßig abgefahren. Das führt dann dazu, dass bei beiden Vorderreifen das Profil den in den Reifen eingearbeiteten Stahlfäden gewichen sind. Es ist Sonntag und wir finden tatsächlich einen Reifenhändler, der uns zwei Reifen verkaufen möchte. So schaffen wir es bis Johannesburg und lassen es uns am Abend im Radisson Blu gut gehen.

Am Abflugtag nutzen wir noch die Möglichkeit für einige Besorgungen in der nahegelegenen Shoppingcenter und fahren nach und nach Richtung Flughafen.

Abschließend betrachten wir die Reise als eine der spannendsten, mit vielen Herausforderungen und viel organisatorischen Hürden überhaupt. 16 Menschen mit verschiedensten Interessen aus unterschiedlichsten Generationen aus ganz Deutschland unter einen Hut zu bekommen war wahrlich eine große Leistung. Wir sind froh dieses Erlebnis und diese Hochzeitsreise mit vielen besonderen Menschen aus unserem Leben zu etwas besonderem gemacht zu haben.

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