Afrikanische Markterfahrungen

Von Nadine

Märkte gibt es viele in Afrika, quasi an jeder größeren Straßenecke, in jedem Dorf. Es gibt große und kleine, Märkte für Kleider und Gerümpel, Kunst- und Touristenmärkte, Foodmärkte, eigentlich für alles und jeden. Einzig der Supermarkt ist vor allem in den ärmeren Ländern eine seltene Erscheinung.

Cheapest rice, cheapest price…best quality, for sure!

Als Tourist ist eine Begegnung mit Touristenmärkten fast unvermeidbar. Straßenmärkte, die auf den ersten Blick unzählige Souvenirs anbieten, gibt es zuhauf. Auf den zweiten Blick seht ihr, dass sich Formen, Farben und Bilder immer wieder ähneln oder schlichtweg Kopien sind. Was könnt ihr also wem glauben, wenn man gesagt bekommt, dass alles in mühsamer Handarbeit gefertigt wurde und der Einstiegspreis für eine mickrige Schnitzerei bei über 10 Euro liegt? In den meisten Fällen eher nichts. Wo kommen die Kunstwerke denn dann her?

Victoria Wasserfälle – Der günstigste Souvenirmarkt im südlichen Afrika

Erst nach einigen Jahren Reiseerfahrung und einigen Gesprächen habe ich ansatzweise das Rätsels Lösung gefunden. Die Antwort ist Simbabwe. Genauer gesagt, die beliebte Anlaufstelle an den Victoria Wasserfällen im gleichnamigen Städtchen. Hier findet ihr wohl den größten Souvenirmarkt im ganzen südlichen Afrika.

Shopbesitzer drängen sich hier auf einer riesigen Fläche dicht an dicht und bieten die gesamte Bandbreite an Variationen und Kunstwerken an. Dass die Menschen in Simbabwe traditionell künstlerisch veranlagt sind, ist durch zahlreiche Galerien diverser Steinhauer, die weltweit vertreten sind, bewiesen. Nach längeren Gesprächen kam ich auf die Händler in Südafrika zu sprechen und dass die Souvenirs sich bei genauer Betrachtung ähneln. Tatsächlich ist es wohl so, dass die Rohstoffe meistens aus Südafrika eingekauft, in Simbabwe aufgrund der sehr viel niedrigeren Lohnkosten als in Südafrika gefertigt und wieder nach Südafrika exportiert werden. Das wird wohl auch der Grund sein, dass dieselben Souvenirs in Victoria Falls so viel günstiger sind als im restlichen Teil des südlichen Afrikas. Da die Händler in Simbabwe nicht an erhöhte Einkaufspreise gebunden sind, ist der Verhandlungsspielraum um ein Vielfaches größer.

Während der Hyperinflation 2008 wurde ich von einigen Verkäufern sogar bis zu meinem Hostel begleitet, da sie aufgrund der wirtschaftlichen Lage zum Tauschhandel übergegangen sind und Souvenirs gegen Klamotten und sogar Socken getauscht haben. Beachten solltet ihr jedoch, dass auch bei einem Tauschhandel ein (wenn auch kleiner) Geldbetrag gezahlt werden sollte, da Textilien nicht gegessen werden können…

Nachdem sich die wirtschaftliche Lage wieder mit der Einführung des US Dollars als offizielle Währung in Simbabwe entspannt hat, kann mittlerweile wieder recht gemütlich mit den Standbesitzern geplaudert und in aller Ruhe über den Markt von Victoria Falls geschlendert werden.

Die Apotheke für Medizinmänner – der Medizinmannmarkt in Johannesburg

Eine ganz andere Art von Markt habe ich auf einer meiner allerersten Reisen nach Südafrika vor fast 13 Jahren kennengelernt. Im Zuge einer Tour durch Johannesburg und dem wohl bekanntesten Township SOWETO machten wir einen Abstecher zu einem Markt für Medizinmannbedarf. Die sogenannten Sangoma sind bis heute eine der Hauptanlaufstelle bei Kopfschmerz, Unwohlsein, Stress mit den Ahnen oder (leider) immer häufiger bei HIV-Infizierungen. Diese etwas andere Art von Heilern und Medizinmännern, mit denen man in der westlichen Welt eher wenige Berührungspunkte hat, benötigt allerlei Bedarf um den Patienten Genüge zu tun. Also finde ich mich wieder unter einer Autobahnbrücke mit einem guten Dutzend Stände, die verschiedene Pülverchen und Kräuter verkaufen.

Nun ja… solange man nicht weiss was es ist, ist es erstmal nicht so schlimm. An einem anderen Stand gab es nebst bekannter Pulver auch Tierknochen und Schädel. Im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel abgeschossen hatte jedoch ein anderer Kollege, der Flügel am Stück von verschiedensten Federvieh, Schlangenköpfe und die passende Haut dazu verkaufte. Der Gänsehaut-Moment war ein getrocknetes Stück Krokodilschwanz. Dieser Markt in der Farady Street mitten im Zentrum ist für Gruselliebhaber genau die richtige Anlaufstelle.

Authentisch und locker –  Einheimischenmärkte

Eine der schönsten Markterfahrungen habe ich letztes Jahr auf unserer Hochzeitsreise gemacht, die unter anderem auch durch Sambia ging. Nachdem wir Lusaka auf dem Weg zur Grenze nach Simbabwe an den Kariba See hinter uns gelassen haben und auf einen Supermarkt entlang der Route spekuliert haben, fanden wir zur Mittagszeit lediglich eine geschlossene Tankstelle mit einigen wenigen Bretterbuden nebenan. Öfters sieht man besagte Stände an Knotenpunkten oder wichtigen Kreuzungen im südlichen Afrika. Hier wird alles und nichts angeboten. In unseren Fall eher nichts, was das Erlebnis jedoch nicht geschmälert hat. Vollgepackt mit Obst, Toastbrot und Eiern, haben wir letztendlich alle 12 Mitreisenden satt bekommen.

Nicht nur uns wird der Einkauf in Erinnerung bleiben, sondern auch den Verkäuferinnen und Verkäufern, da diese sonst weniger mit (weißen) Touristen zu tun haben, als mit Truckern. Anfangs verdutzt, wurden die Verkäuferinnen mit jedem gewechselten Wort lockerer bis hin zu einem Gespräch über Gott und die Welt. Natürlich fehlten nicht die obligatorischen Glückwünsche zur Fusßballweltmeisterschaft 😉

Abschließend bleibt zu sagen, dass, egal auf welcher Art von Markt im südlichen Afrika, die Menschen nicht immer nur an dem Verkauf von Waren, sondern oftmals an netten Gesprächen interessiert sind und jederzeit (auch wenn man nichts kauft) mit der Wertschätzung der Waren schnell viele Bekanntschaften geschlossen werden. Prinzipiell gilt, wie auf allen Märkten auf denen gehandelt wird, es gibt keinen richtigen Preis, es gibt nur den für einen persönlich angemessenen Preis. In diesem Sinne: Frohes Handeln.

Für diesen Artikel wurden wir von Gudrun von reisebloggerin.at inspiriert. Vielen Dank dafür!

3 thoughts on “Afrikanische Markterfahrungen

  • Gudrun 14/12/2015 at 17:39 Reply

    Ohhh, da bekomme ich gleich Sehnsucht nach Afrika!

  • Neni 17/12/2015 at 13:47 Reply

    Ohha, der Medizinmarkt klingt ja sonderbar.
    Wer kauft denn Krokodilreste?! Gibt es dazu eine Geschichte?

    • Chris 20/12/2015 at 20:33 Reply

      Der Markt war sehr sonderbar :-). So viele unterschiedliche Tierextremitäten für alle möglichen Krankheiten. Leider gab es keinen Beipackzettel für die Krokodilteile 😉 aber ich meine mich daran erinnern zu können, dass es gegen Kopfschmerzen helfen sollte.

      Liebe Grüße
      Christoph

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