Von Kapstadt zu den Victoriafalls -Teil 1

Von Nadine

Dieser Weg wird ein weiter sein, dieser Weg wird steinig und lang… *sing*

Eine der wohl beliebtesten Routen bei Overlandern ist die Route von Kapstadt durch Namibia und Botswana zu den berühmten Victoria Wasserfällen. Klingt nach vielen Kilometern…. sind es auch. Insgesamt sprechen wir hier von 5500 km in etwas mehr als zwei Wochen. So eine Tour hört sich zunächst nach viel Autofahren und wenig Urlaub an und dies ist bestimmt für einige Afrikareisende unbestritten. Grundsätzlich müsst ihr euch jedoch selbst Gedanken machen, wie viel ihr euch in wie kurzer Zeit zutraut bzw. antun möchtet. Wir persönlich sind prinzipiell schnell unterwegs und definieren unsere Entspannung durch das Bereisen von Ländern mit der Reise an sich. Klingt komisch und soll heißen, dass wir beim Autofahren entspannen und diese nicht als Last, sondern elementaren Teil der Erfahrung sehen

Mit Turkish Airlines in den Süden

Da ich auf dieser Reise nicht alleine mit meinem Mann reise, sondern zusammen mit dessen Tante und Onkel, bietet es sich an, dass wir uns in Istanbul treffen. So fliegen wir also nachmittags ab Berlin Tegel und treffen die liebe Verwandtschaft in Istanbul. Uschi und Simon (so die Namen unserer Mitreisenden) hatten den Zubringer ab Zürich gebucht und die Erleichterung ist groß, dass alle vier Reisenden zum vereinbarten Treffpunkt in Istanbul finden. Nach weiteren 10 Stunden Flug und einer unbequemen Nacht im Flugzeug betreten wir sehnsüchtig liebgewonnen kapstädter Boden.

Kapstadt – die Mutter aller Städte

Die ersten Nächte verbringen wir in Milnerton (einem Ortsteil von Kapstadt) in einem Backpacker (Aloha Lodge) und treffen viele Freunde aus unserer Zeit in Kapstadt. Um den beiden Afrika-Neulingen auch die schönste Stadt und deren Umgebung näher zu bringen, mieten wir für die ersten Tage einen in die Jahre gekommenen Honda Jazz mit ausgewogenen Rost-Restmetall Anteil. Kapstadt in fahrttüchtigen neuen Autos zu erkunden, wäre uns auch etwas fremd gewesen. Also ab zum Kap der Guten Hoffnung, auf den Chapmans Peak Drive, zu den Pinguinen am Boulders Beach, Kalkbay und dem Old Boys Drive und schwups, war der Tag vorbei. Aufgrund des bedeckten Wetters beschließen wir anstelle dem Trip zum Tafelberg, die nahegelegene Weinregion zu erkunden. Hier besuchen wir eines unserer Lieblingsweingüter (Fairview) und seinen neuen Nachbarn, die Spice Route, die einmal neben dem Wein eine Spezialisierung auf Ziegenkäse bzw. Schokolade haben. Nach diesem kulinarischen Hochgenuss geht es zurück nach Kapstadt und wir genießen den letzten Abend in der Mutterstadt.

Das blühende Namaqualand in eisiger Kälte

Früh um 8:00 Uhr werden wir von einem Fahrer von KEA abgeholt und zu deren Depot in der Nähe des Flughafens gefahren. Die Formalitäten und die Übergabe des Fahrzeugs nehmen in der Regel ca. eine Stunde in Anspruch. Dies sollte bei der Tagesplanung berücksichtigt werden. Also starten wir gegen 10:00 Uhr auf der N7 Richtung Norden. Wie eine sanftmütige Verabschiedung dieser tollen Stadt, hebt sich das Tischtuch des Tafelbergs und unsere Mitreisenden können letztendlich doch noch einen Blick auf den majestätischen Tafelberg erhaschen. Nach 250 km erreichen wir mit unserem Nissan 4×4 den Fuß der Cederberge und verabschieden uns vom flachen Farmland. Nach einem kurzen Blick zurück in die Ebene tauchen wir ein in eine Welt von bunten Blumenteppichen, Flüssen, Tafelbergen und Orangenplantagen. Mit einem Lächeln und einer Träne im Auge passieren wir unseren ehemaligen Lieblingsort, zu Zeiten, als wir die Cederberge noch regelmäßig besucht haben.


Aufgrund von vielen langen Baustellen verzögert sich die Fahrt ein wenig und wir können nicht ganz so viele Fotostopps einlegen, wie wir uns gewünscht hätten. Kurz vor dem Sonnenuntergang treffen wir in Kamiskroon ein. Hier gibt es eine kleine verlassene Farm, die auf dem Grundstück abseits einige Stellplätze für Camper anbietet. Aufgrund vorheriger Regenfälle, die für diese Zeit Mitte September nicht unüblich sind, steht uns die erste Wasserdurchfahrt bevor. Wir sind an diesem Tag die einzigen Camper und haben freie Platzwahl mit eigenem Toilettenhäuschen (nur kaltes Wasser zum Duschen) und atemberaubender Aussicht auf einen Spitzkoppevorgeschmack von Berg und wunderbarem Vollmond. Nach dem ersten Camping-Sundowner kommt es zum ersten Braai des Urlaubs.

Antilopenstadt

Nach einer frostigen Nacht, die für unsere Begleitungen die erste in einem Dachzelt sind, packen wir unsere Zelte zusammen und brechen auf in Richtung Springbok. Hier gibt es gute Versorgungsmöglichkeiten und ein gutes Frühstück. Da wir für mehrere Tage einkaufen müssen und einen Grundstock an Lebensmitteln anlegen, dauert unsere Shoppingtour zwei Stunden, bevor wir weiter Richtung Grenzfluss Oranje und damit Namibia machen.
Kurz vor der Grenze, genau zwischen Sprinbok und dem Oranje Fluss, passiert ihr eine atemberaubende Mondlandschaft, die auch gleichzeitigen den landschaftlichen Übergang von Blumenteppichen und den Ausläufern der Cederberge zur kargen Landschaft der Wüsten Namibias.

Fischfluss-Canyon

Nach Erledigung der obligatorischen Grenzformalitäten ist es nur noch ein Katzensprung bis Hobas und dem Eintritt zum Fish River Canyon. Wir kommen früh genug an, dass wir den Nachmittag am Canyon verbringen können und haben Glück, dass wir dieses Erlebnis für uns ganz alleine haben, ohne weitere Touristen. Da dies für mich bereits das dritte Mal an diesem magischen Ort ist, habe ich die Möglichkeit, die Auswirkungen des besonderen Lichts, die Stille und der einmaligen Aussicht auf meine Mitreisenden zu beobachten. Automatisch verändert sich die Stimmung und man wir etwas nachdenklicher und ehrfürchtig gegenüber diesem Ort.
Nach einem Sundowner am Rand des Canyons und einem kleinen Spaziergang geht es die wenigen Kilometer zurück nach Hobas, wo wir die Zelte aufschlagen und eine vergleichsweise warme Nacht verbringen.

Kudu Biltong zum goldenen Sonnenuntergang

Am nächsten Morgen bauen wir die Zelte zusammen und zu unserer Überraschung nieselt es. Dies ist eher untypisch für diese Jahreszeit im September und die nähernde Regenzeit sollte noch die eine oder andere Rolle spielen im weiteren Verlauf der Reise. Wir verlassen also den Süden Namibias und bewegen uns Richtung Mitte. Auf dem Weg in den Namib Naukluft Nationalpark machen wir einen Zwischenstopp in Helmeringhausen, den wir uns zu Nutzen machen und volltanken, sowie einige Lebensmittel im Farmshop kaufen. Wer auf der Suche nach großen Mengen Kudu Biltong ist, sollte hier einmal vorbei schauen. Nach einem kleinen Abstecher in den Sesriem Canyon unweit unseres Camps für die Nacht, erreichen wir unseren Stellplatz genau zur „golden hour“. Diese Stunde vor dem Sonnenuntergang taucht die Landschaft und vor allem in der Trockenzeit alle Gräser und Berge in ein goldenes Licht, welches jeden Afrikareisenden begeistert. Speziell die Dünen im Namib Naukluft Nationalpark wechseln mit dem Licht im Verlauf des Tages ihre Farben und so wird es faktisch nie langweilig und man könnte sich den ganzen Tag im Kreis drehen und würde ständig neue Facetten erkennen.

Englisches Frühstück auf der Düne 45

Wer in Namibia etwas erleben möchte muss früh aufstehen. So heißt es für uns, um halb sechs aufstehen und Zelte abbauen… es geht ins Herz des Namib Nauklufts. Wir sind um 05:45 Uhr eines der ersten Autos auf dem Weg in die Sandwüste. Auf dem Weg ins Sossusvlei stoppen wir an der Düne 45, die wir zum Sonnenaufgang besteigen, um uns anschließend mit einem ausgiebigen Frühstück zu belohnen. Anhänger des englischen Frühstücks kommen dabei auf ihre Kosten. Da wir an diesem Tag nur noch ein relativ entspanntes Programm haben machen wir uns gemütlich auf den Weg ins Sossusvlei.
Dabei ist es immer wieder ein lustiges Schauspiel wie Heinz und Gerda mit ihren nur rudimentär ausgebildeten 4×4 Skills sich an der einzigen Tiefsandpiste auf den bekannten Touristenpfaden Namibias versuchen. Um sich nicht wie ein Großteil der Urlauber mit dem Auto komplett ein zu buddeln, ist eigentlich nur ein gewisses Know How bezüglich des technischen Hintergrundes und etwas Gefühl im Gas-Fuß notwendig… und keiner macht sich nachher über dich lustig.

Die gegensätzlichen Landschaften der beiden Vleis ist immer wieder schön zu sehen und wer ein Auge für die kleinen Dinge der Wüste hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Nach einigen Oryx Beobachtungen am Straßenrand geht es zurück aus dem Park und weiter nach Solitäir, unserem Rastplatz für den heutigen Abend.

Der beste Apfelkuchen in der südlichen Hemisphäre

Den berühmten Apfelkuchen aus der etablierten Bäckerei, brauche ich wohl kaum loben, da dies wohl gemeinhin bekannt ist. Da der Oktober generell etwas windig ist, wird das Kochen an diesem Tag zu einer mittelmäßigen Herausforderung, die wir jedoch mit viel Alkohol und Gelassenheit irgendwann meistern.

Brandy und Cola auf der Swakopmunder Landungsbrücke

Nach einer kalten Nacht geht es weiter durch die bekannte Mondlandschaft und hinab auf Meereshöhe Richtung Swakopmund. Hier gönnen wir uns zur Abwechslung einmal für zwei Tage ein festes Dach über dem Kopf und fühlen uns richtig zivilisiert, nachdem wir alle Vorräte aufgefüllt haben und uns ausgiebig der Körperpflege hingeben konnten. Zum Abschluss des Tages geht es in Kükis Pub, wo es herzhaftes vom Grill gibt für die Männer reichlich Brandy mit Cola. Den freien Tag nutzen wir zum Bummeln und Austern Essen an der bekannten Landungsbrücke von Swakopmund. Generell passiert an diesem Tag relativ wenig und alle sind froh das Auto heute mal stehen zu lassen.

Was stinkt hier so?

Nach diesem verlängerten Boxenstopp brechen wir auf einen kleinen Teil der Skeleton Coast zu erkunden und fahren zum Cape Cross. Dieses Cape könntet ihr jedoch auch Cape Boahstinktdashier nennen. Die lokale Robbenkolonie verbreitet einen dermaßen Geruch, dass ich mich weniger auf das gucken, sondern mehr auf das Halstuch-ins-Gesicht-drücken konzentriere, um nicht direkt um zu fallen. Nach dieser Überbeanspruchung des Geruchssinnes geht es weiter an die Spitzkoppe. Wir sind eines von sehr wenigen Autos hier und suchen uns direkt einen schönen Platz direkt an den steilen Felswänden dieser einmaligen Formation. Zum Abendessen gibt es heute einen besonderen Schmaus… zunächst wird ein Loch gebuddelt und ein ordentliches Feuer entfacht. Nach einigen Gläsern Wein und Minuten ist die Kohle fertig und das Grillgut in Alufolien eingepackt. Neben Fleisch bieten sich speziell Süßkartoffeln, Butternut und sonstiges Gemüse an aufs Feuer zu feuern. Anschließend den Deckel aus Erde drauf (zu deutsch zubuddeln) und abwarten. Nach 45 Minuten sollte entweder der Hunger so groß sein, dass ihr von alleine nachschauen möchtet, oder tatsächlich das Essen gar ist. Guten Appetit und gute Nacht für heute.

Ein Donnerwetter und Monsterkeulen

Die letzte Station in Namibia auf dieser Reise ist Windhoek. Mehr Dorf als Stadt durchwühlen wir das örtliche Einkaufszentrum, um die Vorräte auf zu füllen. Der Campingplatz ist sehr neu und relativ zentral gelegen mit eigenem Häuschen. Das Beste an dem Camp ist jedoch für die Männer die Nähe zu Joes Beer House… ein traditionell deutsch-namibianisches Restaurant mit viel Bier, Jägermeister und Fleisch. Kurz gesagt, ein Männerparadies, das auch für uns Frauen was im Petto hat. So essen wir uns durch die verschiedenen Wildsorten Afrikas und genießen die gesellige Stimmung, bevor es zur Nachtruhe zum Zeltplatz zurück geht. Nacht kam – Ruhe nicht. Kurz nachdem wir es uns im Zelt auf unseren Autos gemütlich gemacht haben, treffen wir kurze Zeit später wieder im selbigen. Da wir am Ende der Trockenzeit reisen, kann es durchaus mal zu einem Gewitter kommen. Aber sowas?!? Zum Glück müssen wir ja am kommenden Tag nicht so weit fahren… OH! Müssen wir doch.

Hier geht’s weiter zu dem zweiten Teil

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Botswana, Länder, Namibia, Reiserouten südliches Afrika

2 thoughts on “Von Kapstadt zu den Victoriafalls -Teil 1

  • Sandra 14/11/2015 at 8:06 Reply

    Hey Nadine,
    bin gerade zufällig auf deine Seite gestoßen und find sie echt klasse! 🙂
    Für mich geht es in zwei Wochen das erste Mal nach Südafrika und ich freue mich riesig!
    Danke für die vielen guten Infos hier! =)
    LG,
    Sandra

    • Nadine 14/11/2015 at 19:58 Reply

      Liebe Sandra,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Wir freuen uns, dass dir unsere Safari-Seite gefällt.
      Dir ganz viel Spaß in Südafrika, sind schon gespannt auf deinen Bericht.

      Viele Grüße
      Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.