Robben Island – Eine Tour durch Nelson Mandela’s Geschichte

Von Nadine

Wer hat nicht schon von der Gefängnisinsel Robben Island gehört, das Alcatraz Südafrikas? Nelson Mandela saß hier viele Jahre seiner 27-jährigen Gefängnisstrafe ab, aber auch viele weitere bekannte Apartheidsgegner wie Walter Sisulu oder Robert Sobukwe waren jahrelang auf Robben Island inhaftiert, Geschichte pur.

Schon alleine die 12 km lange Überfahrt vom Kapstädter Festland zur Insel ist mystisch. Die hohen eisigen Wellen des Atlantiks schlagen gegen die Fähre Die steife Brise und die kalte Gischt spürt man im Gesicht. Es ist als würde man plötzlich in eine andere Welt eintauchen, in der Zeit zurückgeworfen werden.

Zuvor bist du noch an der hochmodernen V & A Waterfront in Kapstadt und plötzlich befindest du dich nur eine halbe Stunde später auf dieser, sehr alt wirkenden und rauen Insel zwischen vielen Robben und Seevögeln, die einen besonderen unangenehmen Geruch hinterlassen, wieder.

Die traurige Geschichte

Bereits als die ersten europäischen Siedler im 17. Jahrhundert sich am Kap niederließen, benutzten diese Robben Island als Straflager für Gefangene. Die Gefangenen mussten damals im Steinbruch arbeiten und Baumaterial für die Kapstädter Häuser erstellen.

Natürlich wurden die Gefangenen auf der Insel gut gesichert, allerdings lohnte sich ein Entkommen nicht, denn das Festland war weit weg und der Atlantik das ganze Jahr über eiskalt. Eine Flucht war somit aussichtslos.

Zwischenzeitlich diente die Insel über 80 Jahre lang als Auffangstation für Lepra-Kranke (ein Friedhof aus dieser Zeit findet ihr heute noch dort), bis dann kurz vor und während dem 2. Weltkrieg Robben Island als eine militärische Basis für die südafrikanische Armee genutzt wurde.

Ab den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Robben Island wieder als Gefängnis genutzt und politische Gegner sowie Apartheidsgegner inhaftiert. Zu dieser Zeit erlangte Robben Island durch seine berühmten Bewohner weltweite traurige Bekannheit.

Nach dem Ende der Apartheid im Jahr 1991 wurde das Gefängnis für politische Häftlinge aufgelöst und dann 1996 wurde auch das Gefängnis für gewöhnliche Verbrecher geschlossen.

Seit 1997 ist das Gefängnis auf Robben Island eine nationale Gedenkstätte und die Insel UNESCO Weltkulturerbe (1999).

Die Gefängnisinsel

Robben Island ist gerade mal 5 km² klein, sehr flach und liegt in der Tafelbucht vor Kapstadt. Beeinflusst vom eisigen Begulastrom herrscht ein raues Klima mit starken Winden und extremen Temperaturen auf der Insel. Die typische Fynbos-Vegetation des Westkaps findet ihr auch auf der Insel wieder.

Am Fuß von Robben Island hat man einen wundervollen Blick auf Kapstadt und den Tafelberg, am schönsten ist es wenn er mit seiner Tischdecke bedeckt ist.

Schon auf der Fahrt zur Insel könnt ihr die Artenvielfalt dieser Umgebung entdecken. Bei meiner ersten Überfahrt zur Insel hüpfte und schwamm vergnügt neben der Fähre ein Pinguin. Wenn ihr ganz viel Glück habt, dann seht ihr Wale oder auch Delphine.

Das schöne an dem Besuch auf der Insel, es gibt nicht nur ein Gefängnis zu besichtigen, nein, auch die Insel an sich bietet viele kleine überraschende Ecken. Ich war ganz erstaunt, dass es doch so viele Tiere dort gibt, einige Antilopenarten, Vogelstrauße, Geckos und auch Schildkröten tummeln sich hier herum, ganz zu Schweigen von den vielen Vögeln, es sollen über 100 Arten sein. Eine Überfahrt lohn sich nicht nur hinsichtlich der Geschichte.

Tickets für die Fähre buchen

Seit 1997 ist Robben Island ein Museum und wird täglich mit Fähren vom Festland angefahren. Das Ticket solltet ihr vorher an der Waterfront kaufen. Achtung: Die Tickets für die Tour sind sehr begehrt, gerade im Sommer, da kann es schon mal vorkommen, dass die Touren mehrere Tage hintereinander ausgebucht sind.

Unser Tipps:

  • Früh am Morgen zum Ticketschalter gehen und fragen, ob noch Resttickets da sind. Nicht immer kommen alle Touristen.
  • Bei unserer letzten Tour haben wir die Tickets online buchen können, auch eine bequeme Sache ohne langes Anstehen (direkt über die Internetseite des Museums robben-island.org.za).

Die Überfahrt mit der Fähre

Los geht´s am Nelson Mandela Gateway an der Waterfront in Kapstadt. Von hier aus fahren die Fähren zur Insel, die Überfahrt dauert ca. eine halbe Stunde. Die Fahrt kann sehr wackelig werden. Wer schnell seekrank wird, sollte hier vorsorgen. Ich habe hier schon einige Leute über der Reling hängen sehen. 😉

Die Tour komplett mit Hin- und Rückfahrt dauert ca. 4 Stunden, nimmt also einen halben Tag ein.

Das Eintauchen in eine andere Welt beginnt direkt am Hafen der Insel, Murray´s Bay Harbor, denn hier erwarten euch viele, viele Seevögel und Robben und deren penetranter Gestank – nichts für schwache Gemüter.

Achtung: Die öffentlichen Touren nach Robben Island sind immer in englischer Sprache. Es gibt keine offiziellen Touren auf Deutsch. Falls ihr mit einem deutschen Reiseanbieter in Südafrika unterwegs seid, dann können diese euch bei einer deutsch-geführten Tour sicherlich behilflich sein. Einige kleine Tourismus-Anbieter am Kap bieten auf Anfrage Touren auf Deutsch an, bspw. Kaylin Tours oder African Eagle Daytours.

Die Rundfahrt

Am Hafen steigt ihr dann vom Boot auf Busse um, denn der erste Teil der Führung beginnt mit einer Rundfahrt über Robben Island. Sehr spannend hierbei, die Führungen werden mit ehemaligen Insassen des Gefängnisses durchgeführt. Wer kann das Leben auf einer Gefängnisinsel besser beschreiben als ein ehemaliger Gefangener selbst.

Die Busfahrt führt einmal rund um die Insel vorbei an dem Dorf, wo früher die Wärter und ihre Familien lebten, dem Friedhof der Lepra-Opfern, an Robert Sobukwe´s Haus (er verbrachte 5 Jahre in Einzelhaft) und am Armeebunker aus dem 2. Weltkrieg.

Natürlich führt die Tour auch am Steinbruch vorbei, wo Nelson Mandela jahrelang arbeiten musste und für sein restliches Leben Krankheiten davon getragen hat. Dies war der einzige Ort an dem Mandela und die Mitgefangenen in Ruhe reden und Pläne für die Zukunft Südafrikas schmieden konnten, die dann auch nach den Wahlen 1994 wirklich umgesetzt wurden.

Die Begehung des Gefängnisses

Auch im Gefängnis werdet ihr wieder von einem ehemaligen Insassen begleitet. Unser damaliger Gefängnisführer saß selber 7 Jahre lang auf Robben Island ein und konnte durch seine persönlichen Erzählungen das Leben im Gefängnis sehr nah bringen. Die Geschichten gehen unter die Haut, bspw. wurden selbst im Gefängnis die Schwarzen schlechter behandelt als die weißen oder farbigen Bewohner. Anfänglich bekamen die schwarzen Insassen nur kurze Hosen und kurzärmlige Hemden, denn sie sind ja Afrikaner. Auch Essen und Trinken waren deutlich geringer rationiert.

Als Besucher werdet ihr durch die verschiedenen Abteilungen des Gefängnis geführt und erfahrt dabei sehr viel über den damaligen täglichen Ablauf und mit welchen Problemen die Gefangenen zu kämpfen hatten. Als Mandela 1964 auf die Insel kam, gab es keine Glasfenster und das Klima ist und war doch sehr rau, im Winter ist es kalt und sehr feucht. Die Insassen kämpften nicht nur für richtige Fenster, sondern auch für eine Bibliothek oder Zugang zu Büchern, die sie auch nach langen Jahren des Kampfes erhalten haben.

Das Leben als Gefangener auf der Insel

Beim Rundgang durch die Zellen und Räume des Gefängnis erfahren wir auch viel über den täglichen Ablauf und das Leben auf der Insel. Hier ein kleiner Ausschnitt wie bspw. Nelson Mandela jahrelang das Leben auf der Insel als politischer Gefangener ertragen musste:

Die Häftlinge mussten jeden Tag gegen halb sechs Uhr morgens aufstehen, um 6 Uhr gab es Frühstück aus Maisbrei und Maiskaffee, aber nur mit braunem Zucker, der weiße Zucker war für die weißen Häftlinge! Danach gingen die Gefangenen zum Kalksteinbruch und haben dort bis ca. 11 Uhr gearbeitet. Gegen halb drei Uhr Nachmittags gab es dann Abendessen, jeden zweiten Tag wurde altes vergammeltes Fleisch gereicht. Zwischen 15 Uhr Nachmittags und 6 Uhr früh waren die Häftlinge in ihren kleinen Zellen eingeschlossen.

Nach einigen Jahren wurde Mandela und den anderen politischen Häftlingen gestattet ein Studium aufzunehmen und Bücher auszuleihen, somit konnten sie die lange eingeschlossene Zeit in ihren Zellen besser nutzen.

In den 70iger Jahren erkämpften sich die Gefangenen auch einen Tennisplatz auf dem Innenhof. Klug wie die Häftlinge waren, haben sie die Tennisbälle für Botschaften benutzt und Kontakt mit Gefangenen in anderen Sektionen gehalten.

Natürlich besucht ihr bei dem Rundgang auch die kleine Zelle von Nelson Mandela in der er 18 Jahre seines Lebens verbracht hat, ein trauriges Highlight dieser Tour.

Am Ende unserer Tour haben viele Menschen damals geweint und waren tief beeindruckt wie hart und schlimm das Leben dort war.

Nach dem Ende des Rundgangs geht es wieder zum Hafen, den die Fähre wartet schon. Eine bedrückende Stille ist deutlich zu spüren. Viele Teilnehmer sind nachdenklich und betroffen von der grausamen Geschichte.

Das Fazit

Robben Island reißt mit, verstört und weckt auf. Wahrlich beeindrucken sind die Führungen der ehemaligen Gefängnisinsassen. Authentischer können die historischen Ereignisse nicht erzählt werden. Gleichzeitig bietet die Tour neben der eigentlichen Führung weitere Highlights, wie die Bootsüberfahrt mit Blick auf den Tafelberg, Wale, Delfine, Pinguine, Robben (liegt nahe bei der dem Namen) und einige andere Tiere. Es ist ein lohnenswerter Ausflug. Dies ist inzwischen bei vielen Touristen angekommen. Deshalb sollten Tickets dringend früh genug gebucht werden.

Unser Buchtipp: Wer mehr über Nelson Mandela und das Leben auf der Gefängnisinsel Robben Island sowie über die Geschichte Südafrikas erfahren möchte, dem legen wir die Autobiographie “Der lange Weg zur Freiheit” wärmstens ans Herz, ein ausführlicher Schmöker über die Hintergründe der Apartheid und der Freiheitsbewegung – perfekte Länge für einen 3-4 wöchigen Südafrikaurlaub.

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