Von Kapstadt zu den Victoriafalls

Dieser Weg wird ein weiter sein, dieser Weg wird steinig und lang… *sing*

Eine der wohl beliebtesten Routen bei Overlandern ist die Route von Kapstadt durch Namibia und Botswana zu den berühmten Victoria Wasserfällen. Klingt nach vielen Kilometern…. sind es auch. Insgesamt sprechen wir hier von 5500 km in etwas mehr als zwei Wochen. So eine Tour hört sich zunächst nach viel Autofahren und wenig Urlaub an und dies ist bestimmt für einige Afrikareisende unbestritten. Grundsätzlich müsst ihr euch jedoch selbst Gedanken machen, wie viel ihr euch in wie kurzer Zeit zutraut bzw. antun möchtet. Wir persönlich sind prinzipiell schnell unterwegs und definieren unsere Entspannung durch das Bereisen von Ländern mit der Reise an sich. Klingt komisch und soll heißen, dass wir beim Autofahren entspannen und diese nicht als Last, sondern elementaren Teil der Erfahrung sehen

Mit Turkish Airlines in den Süden

Da ich auf dieser Reise nicht alleine mit meinem Mann reise, sondern zusammen mit dessen Tante und Onkel, bietet es sich an, dass wir uns in Istanbul treffen. So fliegen wir also nachmittags ab Berlin Tegel und treffen die liebe Verwandtschaft in Istanbul. Uschi und Simon (so die Namen unserer Mitreisenden) hatten den Zubringer ab Zürich gebucht und die Erleichterung ist groß, dass alle vier Reisenden zum vereinbarten Treffpunkt in Istanbul finden. Nach weiteren 10 Stunden Flug und einer unbequemen Nacht im Flugzeug betreten wir sehnsüchtig liebgewonnen kapstädter Boden.

Kapstadt – die Mutter aller Städte

Die ersten Nächte verbringen wir in Milnerton (einem Ortsteil von Kapstadt) in einem Backpacker (Aloha Lodge) und treffen viele Freunde aus unserer Zeit in Kapstadt. Um den beiden Afrika-Neulingen auch die schönste Stadt und deren Umgebung näher zu bringen, mieten wir für die ersten Tage einen in die Jahre gekommenen Honda Jazz mit ausgewogenen Rost-Restmetall Anteil. Kapstadt in fahrttüchtigen neuen Autos zu erkunden, wäre uns auch etwas fremd gewesen. Also ab zum Kap der Guten Hoffnung, auf den Chapmans Peak Drive, zu den Pinguinen am Boulders Beach, Kalkbay und dem Old Boys Drive und schwups, war der Tag vorbei. Aufgrund des bedeckten Wetters beschließen wir anstelle dem Trip zum Tafelberg, die nahegelegene Weinregion zu erkunden. Hier besuchen wir eines unserer Lieblingsweingüter (Fairview) und seinen neuen Nachbarn, die Spice Route, die einmal neben dem Wein eine Spezialisierung auf Ziegenkäse bzw. Schokolade haben. Nach diesem kulinarischen Hochgenuss geht es zurück nach Kapstadt und wir genießen den letzten Abend in der Mutterstadt.

Das blühende Namaqualand in eisiger Kälte

Früh um 8:00 Uhr werden wir von einem Fahrer von KEA abgeholt und zu deren Depot in der Nähe des Flughafens gefahren. Die Formalitäten und die Übergabe des Fahrzeugs nehmen in der Regel ca. eine Stunde in Anspruch. Dies sollte bei der Tagesplanung berücksichtigt werden. Also starten wir gegen 10:00 Uhr auf der N7 Richtung Norden. Wie eine sanftmütige Verabschiedung dieser tollen Stadt, hebt sich das Tischtuch des Tafelbergs und unsere Mitreisenden können letztendlich doch noch einen Blick auf den majestätischen Tafelberg erhaschen. Nach 250 km erreichen wir mit unserem Nissan 4×4 den Fuß der Cederberge und verabschieden uns vom flachen Farmland. Nach einem kurzen Blick zurück in die Ebene tauchen wir ein in eine Welt von bunten Blumenteppichen, Flüssen, Tafelbergen und Orangenplantagen. Mit einem Lächeln und einer Träne im Auge passieren wir unseren ehemaligen Lieblingsort, zu Zeiten, als wir die Cederberge noch regelmäßig besucht haben.

Cederberge Südafrika Blumenwiese

Aufgrund von vielen langen Baustellen verzögert sich die Fahrt ein wenig und wir können nicht ganz so viele Fotostopps einlegen, wie wir uns gewünscht hätten. Kurz vor dem Sonnenuntergang treffen wir in Kamiskroon ein. Hier gibt es eine kleine verlassene Farm, die auf dem Grundstück abseits einige Stellplätze für Camper anbietet. Aufgrund vorheriger Regenfälle, die für diese Zeit Mitte September nicht unüblich sind, steht uns die erste Wasserdurchfahrt bevor. Wir sind an diesem Tag die einzigen Camper und haben freie Platzwahl mit eigenem Toilettenhäuschen (nur kaltes Wasser zum Duschen) und atemberaubender Aussicht auf einen Spitzkoppevorgeschmack von Berg und wunderbarem Vollmond. Nach dem ersten Camping-Sundowner kommt es zum ersten Braai des Urlaubs.

Antilopenstadt

Nach einer frostigen Nacht, die für unsere Begleitungen die erste in einem Dachzelt sind, packen wir unsere Zelte zusammen und brechen auf in Richtung Springbok. Hier gibt es gute Versorgungsmöglichkeiten und ein gutes Frühstück. Da wir für mehrere Tage einkaufen müssen und einen Grundstock an Lebensmitteln anlegen, dauert unsere Shoppingtour zwei Stunden, bevor wir weiter Richtung Grenzfluss Oranje und damit Namibia machen.
Kurz vor der Grenze, genau zwischen Sprinbok und dem Oranje Fluss, passiert ihr eine atemberaubende Mondlandschaft, die auch gleichzeitigen den landschaftlichen Übergang von Blumenteppichen und den Ausläufern der Cederberge zur kargen Landschaft der Wüsten Namibias.

Fischfluss-Canyon

Nach Erledigung der obligatorischen Grenzformalitäten ist es nur noch ein Katzensprung bis Hobas und dem Eintritt zum Fish River Canyon. Wir kommen früh genug an, dass wir den Nachmittag am Canyon verbringen können und haben Glück, dass wir dieses Erlebnis für uns ganz alleine haben, ohne weitere Touristen. Da dies für mich bereits das dritte Mal an diesem magischen Ort ist, habe ich die Möglichkeit, die Auswirkungen des besonderen Lichts, die Stille und der einmaligen Aussicht auf meine Mitreisenden zu beobachten. Automatisch verändert sich die Stimmung und man wir etwas nachdenklicher und ehrfürchtig gegenüber diesem Ort.
Nach einem Sundowner am Rand des Canyons und einem kleinen Spaziergang geht es die wenigen Kilometer zurück nach Hobas, wo wir die Zelte aufschlagen und eine vergleichsweise warme Nacht verbringen.

 

Kudu Biltong zum goldenen Sonnenuntergang

Am nächsten Morgen bauen wir die Zelte zusammen und zu unserer Überraschung nieselt es. Dies ist eher untypisch für diese Jahreszeit im September und die nähernde Regenzeit sollte noch die eine oder andere Rolle spielen im weiteren Verlauf der Reise. Wir verlassen also den Süden Namibias und bewegen uns Richtung Mitte. Auf dem Weg in den Namib Naukluft Nationalpark machen wir einen Zwischenstopp in Helmeringhausen, den wir uns zu Nutzen machen und volltanken, sowie einige Lebensmittel im Farmshop kaufen. Wer auf der Suche nach großen Mengen Kudu Biltong ist, sollte hier einmal vorbei schauen. Nach einem kleinen Abstecher in den Sesriem Canyon unweit unseres Camps für die Nacht, erreichen wir unseren Stellplatz genau zur „golden hour“. Diese Stunde vor dem Sonnenuntergang taucht die Landschaft und vor allem in der Trockenzeit alle Gräser und Berge in ein goldenes Licht, welches jeden Afrikareisenden begeistert. Speziell die Dünen im Namib Naukluft Nationalpark wechseln mit dem Licht im Verlauf des Tages ihre Farben und so wird es faktisch nie langweilig und man könnte sich den ganzen Tag im Kreis drehen und würde ständig neue Facetten erkennen.

Englisches Frühstück auf der Düne 45

Wer in Namibia etwas erleben möchte muss früh aufstehen. So heißt es für uns, um halb sechs aufstehen und Zelte abbauen… es geht ins Herz des Namib Nauklufts. Wir sind um 05:45 Uhr eines der ersten Autos auf dem Weg in die Sandwüste. Auf dem Weg ins Sossusvlei stoppen wir an der Düne 45, die wir zum Sonnenaufgang besteigen, um uns anschließend mit einem ausgiebigen Frühstück zu belohnen. Anhänger des englischen Frühstücks kommen dabei auf ihre Kosten. Da wir an diesem Tag nur noch ein relativ entspanntes Programm haben machen wir uns gemütlich auf den Weg ins Sossusvlei.
Dabei ist es immer wieder ein lustiges Schauspiel wie Heinz und Gerda mit ihren nur rudimentär ausgebildeten 4×4 Skills sich an der einzigen Tiefsandpiste auf den bekannten Touristenpfaden Namibias versuchen. Um sich nicht wie ein Großteil der Urlauber mit dem Auto komplett ein zu buddeln, ist eigentlich nur ein gewisses Know How bezüglich des technischen Hintergrundes und etwas Gefühl im Gas-Fuß notwendig… und keiner macht sich nachher über dich lustig.

Die gegensätzlichen Landschaften der beiden Vleis ist immer wieder schön zu sehen und wer ein Auge für die kleinen Dinge der Wüste hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Nach einigen Oryx Beobachtungen am Straßenrand geht es zurück aus dem Park und weiter nach Solitäir, unserem Rastplatz für den heutigen Abend.

Der beste Apfelkuchen in der südlichen Hemisphäre

Den berühmten Apfelkuchen aus der etablierten Bäckerei, brauche ich wohl kaum loben, da dies wohl gemeinhin bekannt ist. Da der Oktober generell etwas windig ist, wird das Kochen an diesem Tag zu einer mittelmäßigen Herausforderung, die wir jedoch mit viel Alkohol und Gelassenheit irgendwann meistern.

Brandy und Cola auf der Swakopmunder Landungsbrücke

Nach einer kalten Nacht geht es weiter durch die bekannte Mondlandschaft und hinab auf Meereshöhe Richtung Swakopmund. Hier gönnen wir uns zur Abwechslung einmal für zwei Tage ein festes Dach über dem Kopf und fühlen uns richtig zivilisiert, nachdem wir alle Vorräte aufgefüllt haben und uns ausgiebig der Körperpflege hingeben konnten. Zum Abschluss des Tages geht es in Kükis Pub, wo es herzhaftes vom Grill gibt für die Männer reichlich Brandy mit Cola. Den freien Tag nutzen wir zum Bummeln und Austern Essen an der bekannten Landungsbrücke von Swakopmund. Generell passiert an diesem Tag relativ wenig und alle sind froh das Auto heute mal stehen zu lassen.

Was stinkt hier so?

Nach diesem verlängerten Boxenstopp brechen wir auf einen kleinen Teil der Skeleton Coast zu erkunden und fahren zum Cape Cross. Dieses Cape könntet ihr jedoch auch Cape Boahstinktdashier nennen. Die lokale Robbenkolonie verbreitet einen dermaßen Geruch, dass ich mich weniger auf das gucken, sondern mehr auf das Halstuch-ins-Gesicht-drücken konzentriere, um nicht direkt um zu fallen. Nach dieser Überbeanspruchung des Geruchssinnes geht es weiter an die Spitzkoppe. Wir sind eines von sehr wenigen Autos hier und suchen uns direkt einen schönen Platz direkt an den steilen Felswänden dieser einmaligen Formation. Zum Abendessen gibt es heute einen besonderen Schmaus… zunächst wird ein Loch gebuddelt und ein ordentliches Feuer entfacht. Nach einigen Gläsern Wein und Minuten ist die Kohle fertig und das Grillgut in Alufolien eingepackt. Neben Fleisch bieten sich speziell Süßkartoffeln, Butternut und sonstiges Gemüse an aufs Feuer zu feuern. Anschließend den Deckel aus Erde drauf (zu deutsch zubuddeln) und abwarten. Nach 45 Minuten sollte entweder der Hunger so groß sein, dass ihr von alleine nachschauen möchtet, oder tatsächlich das Essen gar ist. Guten Appetit und gute Nacht für heute.

Ein Donnerwetter und Monsterkeulen

Die letzte Station in Namibia auf dieser Reise ist Windhoek. Mehr Dorf als Stadt durchwühlen wir das örtliche Einkaufszentrum, um die Vorräte auf zu füllen. Der Campingplatz ist sehr neu und relativ zentral gelegen mit eigenem Häuschen. Das Beste an dem Camp ist jedoch für die Männer die Nähe zu Joes Beer House… ein traditionell deutsch-namibianisches Restaurant mit viel Bier, Jägermeister und Fleisch. Kurz gesagt, ein Männerparadies, das auch für uns Frauen was im Petto hat. So essen wir uns durch die verschiedenen Wildsorten Afrikas und genießen die gesellige Stimmung, bevor es zur Nachtruhe zum Zeltplatz zurück geht. Nacht kam – Ruhe nicht. Kurz nachdem wir es uns im Zelt auf unseren Autos gemütlich gemacht haben, treffen wir kurze Zeit später wieder im selbigen. Da wir am Ende der Trockenzeit reisen, kann es durchaus mal zu einem Gewitter kommen. Aber sowas?!? Zum Glück müssen wir ja am kommenden Tag nicht so weit fahren… OH! Müssen wir doch.

Fleisch statt Müsli und seeeeehr seeeehr viel Teer

Es heißt nachts um halb sechs die Zelte zusammen klappen und ab auf den Transkalahari Highway, dem Sonnenaufgang entgegen. Vor uns liegen 800 km, 11 Stunden Fahrzeit und ein Grenzübergang, ganz zu schweigen von den Überresten der unglaublich großen Keule Fleisch vom Vorabend, der bis zur Grenze gegessen sein muss, da wir kein Fleisch nach Botswana einführen dürfen… Mit der Haxe in der Hand und der Leidenschaft am Gaspedal geht es also Fleisch kauend an die Grenze Botswanas.

fahren, fahren, fahren…

Endlich kommen wir in Maun an und haben sogar noch genügend Zeit, zum Nationalpark Office zu fahren, um unsere Parkeintrittsdokumente für den Moremi Nationalpark und bei SKL (den Camp Betreiber für Savute) ab zu holen.

Eine Bootsfahrt die ist lustig eine Bootsfahrt die ist schön…

Und plötzlich haben wir unverhofft viel Zeit. Dadurch, dass wir alle notwendigen Unterlagen bereits am Vortag besorgt hatten, nutzen wir unsere Freizeit für einen Tages-Ausflug in das Okavango-Delta. Dafür werden wir ca. eine Stunde mit dem Boot bis zum Buffalo Fence transferiert und steigen dort in ein Mokorro (Einbaumboot auch genannt) um. Hier beginnt der entschleunigende Teil des Tages und wir gleiten lautlos durch ein Meer aus Papyrus, Schilf und Seerosen. Die etwas Wildtier armeren Gebiete am Rande des Deltas sind eher etwas für Fans der Gattungen Frosch, Vogel und Landschaft. Wer hier große Tierherden erwartet, könnte enttäuscht werden. Wir haben zwar zuvor schon Elefanten bei solchen Tagesausflügen getroffen und beobachtet, jedoch solltet ihr nicht davon ausgehen. Nach guten 2 Stunden Mokorrofahrt gehen wir an Land und erkunden eine der zahlreichen Inseln zu Fuß. Aufgrund mangelnden Großgetiers, konzentrieren wir uns auf deren Hinterlassenschaften, die der Guide bestens zu deuten weiß. Man könnte also sagen, wir haben ziemlich ausgiebig über Scheiße gesprochen. Nach einem kleinen Picknick geht es die 2 Stunden wieder zurück und wir werden vom Motorboot in Empfang genommen. Nach diesem wohl entspanntesten Tag der Reise beschließen unsere Mitreisenden uns für den kommenden Tag einen Rundflug über das Okavango-Delta zu schenken, damit wir das Ausmaß und die Schönheit auch per Luft zu spüren bekommen.

Über dem Delta ei ei ei ei…

Gesagt, getan.Wir bauen am nächsten Morgen unser Lager ab und machen uns auf zum Flughafen in Maun. Der sehr übersichtliche Flughafen mit seinen eher lässigen Kontrollen ist kein Zeitfresser und ehe wir uns versehen, sitzen wir in einem kleinen Sportflugzeug, welches mich eher an den uralten Ford Fiesta meiner Oma vor 20 Jahren erinnert, als an ein Fluggerät… Der Pilot macht einen kompetenten Eindruck, fängt an Knöpfe zu drücken und ab zuckelt dieses “Flugzeug”. Nach etwas Einschaukeln und ein paar Böen, die mein Magen erst einmal verarbeiten muss, können alle Insassen den Flug sogar richtig genießen. Wir sehen riesige Büffelherden, kreisen über einer Gruppe Elefanten und erahnen die Hippos im Wasser.

Die Landung war wieder eine kleine psychologische Herausforderung, die der Pilot mit seiner Routine so gut gemeistert hat, dass niemand der Passagiere die vorher verteilten Beutel in Anspruch nehmen musste.

Let´s 4×4!

Nach diesem Höhenflug geht es zurück ins Auto und wir starten unsere Reise ins sagenumwobene Savute. Tief im Herzen des Chobe Nationalparks haben wir ein Stellplatz für die Nacht gebucht. Also verlassen wir Maun und somit vorerst die Zivilisation hinter uns. Nach kurzer Zeit befinden wir uns auf einer Schotterpiste, die auch schon die ersten sandigeren Passagen (nichts wildes) bereit hält. Wir passieren das South Gate, folgen der Straße östlich vorbei am Moremi Wildschutzgebiet und finden uns bald wieder an einer Kreuzung. Hier habt ihr die Möglichkeit entweder links die Strecke am Rand entlang des Savute Marsh zu nehmen oder durch das saisonal geflutete Sumpfland zu fahren. Da wir in der absoluten Trockenzeit unterwegs sind, beschließen wir durch die offene Ebene zu fahren. Nach 2 Stunden relativ großer Langeweile, mit einzelnen Elefantenbegegnungen, kommen wir in die Region des Savute Channels. Dieser Kanal ist eine wahre Lebensader für die Tierwelt. Plötzlich finden wir uns wieder in einer Mischpoke aus Elefanten, Impalas, Knus und Zebras wieder, die unsere Augen erstmal überfordert.

Leider ist schon später Nachmittag und wir müssen schneller weiter als uns lieb ist. Nachdem wir uns durch die letzten Kilometer Sandkasten gebuddelt haben, kommen wir einigermaßen kaputt an und beziehen unseren Campsite “Paradise”. Dieser etwas abgelegenere Platz ist riesig groß und berühmt für seine Tierbegegnungen. Also schlagen wir ein weiteres Mal unser Zelt auf und nehmen unsere Küche in Form eines Feuers in Betrieb. Gerade als unser Fleisch aufgelegt ist, raschelt es im Gebüsch. Hm, was kann das sein? Vielleicht eins der unzähligen Erdhörnchen, die ständig auf der Suche nach etwas sind? Ok, weitermachen… haben ja alle Hunger. Als das Erdhörnchen dann aus dem Gebüsch kommt, wundere ich mich, wie lang die Nase dieses Erdhörnchen ist. Irgendwie kommt es auch nicht in der typischen Farbe daher und hat insgesamt etwas viel auf den Rippen. Die Schulterhöhe von knapp 4 Metern war dann auch das letzte Indiz, welches mich hat schlussfolgern lassen, dass Elefanten ziemlich lautlos sein können. Ich sollte mich jetzt besser mal langsam hinter das Auto verziehen und meinen Mitreisenden Bescheid geben. Gesagt, getan und gerade als wir hinter das Auto im Rückwärtsgang Entenmarsch uns verziehen möchten, steht da ein zweites zu groß geratenes Erdhörnchen. Nein, gebeamt hat er sich nicht, sondern es sind einfach zwei Elefanten, die da am helllichten Tag im Abstand von 5 Metern an uns vorbei spazieren, dann stehen bleiben und uns anglotzen. Nachdem die Elefanten sicher waren, dass von uns keine Gefahr ausgeht, schlendern sie in einer Seelenruhe – einer links und einer rechts – vom Auto runter zum Kanal und holen sich ihre Abendration Wasser ab. Mit weichen Knien und und zitternden Händen schaue ich nach dem Grill und wir beschließen die bereits etwas schwarzen Steaks lieber nicht mehr zu essen. Also gibt es Süßkartoffeln aus der Alufolie. Die Steaks haben wir verloren… aber eine Elefantenerfahrung gewonnen.

Sind wir in der Hölle, oder was riecht hier so nach Schwefel?

Ohne weitere Zwischenfälle beim Abendessen geht es einmal mehr um 20 Uhr ins Bett. Nach nur einer halben Stunde kommt auch schon der erste Räuber vorbei und versucht unseren Sack Kohlen zu klauen… den einzigen Gegenstand, den wir abends nicht im Auto verstaut haben. Da wir den Tathergang nicht beobachten konnten und unsere Überwachungskameras nicht installiert waren (haben wir natürlich nie), tippen wir auf Schakal und drehen uns ein weiteres Mal auf der dünnen Matratze und schlafen bald weiter. Irgendwann später in der Nacht wachen wir von einem tiefen grunzen und einem unheimlichen Gestank nach Schwefel auf. Meine Güte… was ist denn jetzt schon wieder los?

Drei Möglichkeiten haben wir:

  1. Liegen bleiben, flach atmen und rätseln was für ein entsetzliches Untier da draußen ist.
  2. Reißverschluss einen miiiiiiini kleinen Spalt (sehr leise) öffnen und versuchen etwas zu erkennen.
  3. Alarm machen und den vermeintlichen Räuber verscheuchen und kreischend über den Zeltplatz rennen.

richtig… 3) machen nur Idioten. 1) machen nur Kinder und damit entschließen wir uns für 2) und versuchen Umrisse zu erkennen. Schwere Angelegenheit bei bedecktem Himmel. Taschenlampe ist auch keine Option, da man damit die Tiere vielleicht aufschrecken könnte. Also warte ich und in einem kurzen Augenblick schimmert der Mond durch und ich erkenne rund 20 Büffel, die um unser Auto herum stehen. Was machen die da? Die Antwort meines Mannes war ein schlichtes „stinken!“. Na gut… weiterschlafen.

Sand Sand Sand ausbuddeln Sand Sand Sand

Wir nutzen die frühe Stunde und verabschieden uns von den Elefanten am Vortag, die ihren nächtlichen Ausflug beenden, uns zum Gruß noch einmal den Rüssel heben und über unseren Platz in den Busch marschieren. Unser heutiges Ziel ist Kasane und die Straße wird tiefer, tiefer Sand und entsprechend anstrengend. Nach nur 500 Metern sind plötzlich alle hellwach als wir ein Rudel Wild Dogs sehen, die gerade noch die letzten Bissen Kudu verschlingen und direkt vor uns die Straße kreuzen. Als besonderes Highlight hat das Rudel sogar einige Junge dabei. So schnell wie Wild Dogs auftauchen, sind sie meistens auch wieder verschwunden.

Beseelt und glücklich machen wir uns auf den Weg nach Nord-Ost. Nach kurzer Zeit finden wir uns auf einer sehr tiefsandigen Piste wieder, die uns zwingt in Low Range zu schalten und uns durch die karge Landschaft zu wühlen. Nach 3 Stunden Fahrt erreichen wir die kurze Teerstrecke, die im späteren Verlauf zur Chobe Transitstraße wird. Bevor das jedoch der Fall wird, nehmen wir die Abbiegung in den nördlichen Chobe Nationalpark, weil wir noch relativ viel Zeit haben. Nachdem wir den erneuten Eintritt für einen Tagesausflug in den Park bezahlt haben, fahren wir voller Spannung um die erste Kurve und bleiben prompt im tiefen Sand stecken. Hmmm Low Range rein und Differentialsperre…. ui… tut sich nix. Nun gut, dann müssen wir eben aussteigen und Holz sammeln. Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass das Aussteigen im Nationalpark aus den Autos strickt verboten ist. Also schiebt ein Teil der Mannschaft Wache und hält Ausschau nach Tieren und zwei sammeln Stöcke, die wir nach etwas Graben unter die Reifen legen um erfolgreich das Auto zu bergen…. Bisschen peinlich nach ca. 250 km Tiefsand an diesem Tag stecken zu bleiben, wenn eine Familie besoffener Südafrikaner an einem vorbei fährt mit dem Kommentar: Did you switch on your 4×4? Es sei ein für alle mal festgehalten, dass Fahrzeuge mit 2 Dachzelten und 4 Insassen mit Gepäck und Campingausrüstung einfach mehr wiegen als eine Südafrikanische Familie mit einer Kühlbox voll Alkohol und einem Hang zum Fastfood…

Die restliche Fahrt ist etwas von der Anspannung geprägt noch einmal stecken zu bleiben. Daran können auch nicht die vielen Tiere unterwegs etwas ändern.

Das Senyati Camp entschädigt aber ein weiteres Mal mit einer riesigen Herde Elefanten, die wir den Rest des Nachmittags von der Bar aus beobachten.

Abends gab es dann das bekannte abendliche Donnerwetter (aber in abgeschwächter Form…) und zur Krönung spaziert in der Nacht einmal mehr ein Elefant direkt am Auto vorbei und pflückt ein paar Blätter im Vorbeischländern. Gute Nacht Elefant! Gute Nacht ihr Zweibeiner!

Grenzgänger und Wasserfälle

Unseren fahrfreien Tag nutzen wir um einen Ausflug von Kasane an die Victoria Wasserfälle zu unternehmen. Dazu fahren wir in die Stadt zur Chobe Safari Lodge, wo wir den Transfer gebucht haben und starten die Reise nach Simbabwe. Da der administrative Aufwand für einen Abstecher an die Wasserfälle einfach zu hoch ist, empfehle ich euch Tagesausflüge immer mit einem Transfer zu organisieren.

Der Fahrer bringt uns bis zur Grenze und da er auch keine Lust hat auf die administrativen Hürden das Auto importieren oder exportieren oder was auch immer man machen muss (hier könnt ihr die Details über Grenzen lesen), werden wir von einem anderen Fahrer auf der simbabwischen Seite in Empfang genommen. Nach läppischen 2 Stunden Warten an der Grenze geht es die letzten 100 km weiter bis nach Victoria Falls. Hier geht es auf direktem Weg an die Fälle. Vor allem im Oktober empfehle ich die simbabwische Seite der Fälle, da ein Großteil des Wassers hier fließt und fast die gesamte Seite der Fälle in Sambia ausgetrocknet ist. Dort ergibt sich wiederum die Möglichkeit zu Fuß bis Livingstone Island zu laufen und im Devilspool direkt am Rand der Fälle zu baden. Nun ja, jetzt sind wir also dieses Mal auf der anderen Seite und können wenigstens nett auf die andere Seite grüßen, auf der sich die Touristen im besagten Pool amüsieren.

Also genießen wir die relativ freie Sicht auf die Fälle. Dadurch, dass sehr wenig Gischt vorhanden ist, schlendern wir an den Fällen entlang. Da wir noch ziemlich viel Zeit haben, machen wir noch einen Abstecher auf den Markt von Victoria Falls und decken uns mit einigen Souveniers ein. Was viele Reisende nicht wissen, ist, dass 90 prozent aller Souveniers, die im südlichen Afrika und speziell in Südafrika verkauft werden, aus Victoria Falls kommen. Entsprechend günstig sind die kleinen Kunstwerke und die Händler brauchen keine Zwischenhändler zu bezahlen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, die Souveniers auch gegen Kleidungsstücke, Schuhe oder andere Sachen zu tauschen.

Voll bepackt mit tollen Sachen, die die Wohnung schöner machen, geht’s ab nach Botswana und zurück zu unseren lieb gewonnen Elefanten im Senyati Camp.

Ein Baum mit Erektion auf dem Weg zum einzigen Surfclub in der Kalahari

Von Kasane aus gibt es zwei Möglichkeiten Richtung Nata und weiter zu den Makgadikgadi-Salzpfannen. Eine Variante ist die Hunters Road, die direkt an der Grenze zu Simbabwe verläuft und zum anderen die Hauptverkehrsstraße, die mittlerweile von einem einzigen 120 km langen Schlagloch in eine gut befahrbare Teerstraße (etwas langweilig) umgebaut wurde. Für weniger sandgeile Menschen ist die Teerstraße immer die bessere Alternative. Nata bietet gute Versorgungsmöglichkeiten, einige Tankstellen und neuerdings einen schlecht sortierten Supermarkt. Hier gibt es sogar Huhn und wir beschließen dieses zu kaufen, um es am Abend zu grillen. Die Verkäuferin weist uns noch höflich darauf hin, das es sich um ein Village Chicken handelt und wir freuen uns, den lokalen Markt unterstützen zu können und mit diesem wunderbaren Produkt aus der Region (nicht mal Anfahrtsverschmutzung durch langen Transport) in der Tasche geht es mit einem kurzem Abstecher beim Mans Baobab (siehe Bild und der Name erklärt sich von selbst) zum Planet Baobab.

Die Abfahrt ist dank des überdimensionalen Erdferkels nicht übersehbar und voller Vorfreude auf eins unserer Lieblingscamps (Planet Baobab bei Gweta) biegen wir also die letzten 500 Meter auf die Schotterpiste ein und ergattern den letzten Campsite von vier für diese Nacht.

Nach einem erfrischenden (und auch säubernden) Bad im Pool und Begutachtung der vielen Baobabs geht es noch einmal auf kurze Erkundungstour Richtung Gweta, um den Eingang zu den Salzpfannen zu finden, die wir am kommenden Tag durchqueren möchten.

Beim Abendessen lernen wir dann auch schon die Lektion für den Tag… Village Chicken ist kein Village Chicken weil es biologisch in der Region aufgewachsen ist, sondern einfach ein Huhn, welches einige Jahre zwischen den Müllbergen des Dorfes gelebt hat und Zäh wie Gummi ist. Na ja, Nudeln sind auch gut und selber Schuld, wer im Rinderland Botswana Huhn essen will.

Kannst du mir mal bitte das Salz reichen?

Voller Vorfreude geht es heute in die Salzpfanne. Da die Zufahrt relativ lange ist, steigert sich die Vorfreude entsprechend immer mehr und man fragt sich die ganze Zeit wie wohl der Übergang in diese sagenumworbene Gegend aussehen mag. Mehr noch beschäftigt meinen Mann seit einigen Tagen, ob wir auch den richtigen Weg nehmen und die Navigation funktionieren wird. Verirren wäre ungünstig. In diesem Fall ist das GPS Gold wert.

Kurz vor den Pans passieren wir Greens Baobab, der ein wichtiger Wegweiser für Expeditionen der Gebrüder Green war und auch als Litfaßsäule Benutzung fand. Wenn Ihr genau sucht und hinschaut, könnt Ihr auch Einritzungen der Brüder aus dem Jahr 1856 sehen, die quasi mit dem Baum mitgewachsen sind.

Noch beeindruckender ist jedoch der Chapmans Baobab, welcher einer der Größten Bäume im südlichen Afrika ist. Im Angesicht dieses Kolosses kommt man sich dann doch sehr klein und unwirklich vor. Nach einigen hundert Meter weicht die Buschlandschaft und urplötzlich liegt eine weite Ebene und nur der Horizont vor uns. WOW… viel hatten wir uns vorgestellt, aber dieses Sinnbild von Nichts übertrifft unsere Erwartungen. Wir halten an und hören nichts als Stille und schmecken die salzige Luft. Also verlassen wir das Meer aus goldenem vertrocknetem Gras und fahren auf die Salzkruste. Einige wenige Reifenspuren helfen uns die grobe Richtung zu finden und wir halten immer wieder an um zu versuchen diese Stimmung und Besonderheit des Ortes auf zu saugen und zu verstehen.

Nach einigen Kilometern passieren wir einen Veterinärzaun mit einem einzelnen grummelnden Opa inklusive Anhang (zwei Hunde), den wir für seine Dienste mit 2 Zigaretten entlohnen, worüber er sich wie ein kleines Kind freut. Wir verlassen also die Pans und fahren am Veterinärzaun entlang bis wir in der Nähe von Orapa wieder festen Boden unter den Reifen haben. Die Anspannung ist weg, aber die Überwältigung des besonderen Ortes hält noch an.

Station für heute ist das Khama Rhino Sanctuary. Dieses Schutzprojekt ist speziell für den Erhalt der Nashornpopulation in Botswana ausgerichtet. Da wir noch etwas Zeit haben bevor die Sonne untergeht (das letzte Mal für uns in Botswana in diesem Urlaub), fahren wir eine schöne Runde durch das Gebiet und sehen sogar noch Nashörner. Wir verbringen lange Zeit auf einer freien Fläche und beobachten die Interaktion der Nashörner in der kleinen Gruppe. Kurz bevor die Sonne untergeht, fahren wir zurück zur Campsite, der uns für diese Nacht ganz alleine gehört.

Zivilisation… muss das sein?

Langsam aber sicher müssen wir uns auf den Rückweg nach Johannesburg machen. Da wir noch nicht wissen, wo wir heute die Nacht verbringen, fahren wir am Vormittag los und nehmen schweren Herzens einmal mehr Abschied von diesem wunderbaren Land und überqueren problemlos und bestens vorbereitet (Grenzerfahrungen) die Grenze nach Südafrika. Von der Grenze Martin`s Drift nehmen wir die etwas kleinere R 572 anstatt der größeren N11, die später auf die noch größere N1 trifft. Also fahren wir durch die sanften Hügel der Waterbergregion und beschließen die letzte Nacht kurz vor Bela-Bela zu übernachten. Auch hier sind wir die einzigen Menschen auf dem Campingplatz und nutzen das großzügige Platzangebot unsere Taschen flugfertig zu machen und sortieren alte Klamotten aus, die wir am letzten Tag in Johannesburg verteilen. Bei unserer allabendlichen Gesprächsrunde lassen wir diesen Wahnsinnstrip noch einmal Revue passieren und versuchen die Erlebnisse den einzelnen Tagen zu zuordnen. Vor 2 ½ Wochen sind wir gestartet auf diese Reise, haben aber Erlebnisse für ein halbes und Erfahrungen für ein ganzes Leben gesammelt, die uns noch viel Verarbeitungszeit abverlangen werden. Alles in Allem war es eines der faszinierenden Erlebnisse, wir wir als Team funktioniert haben und die eine oder andere Stresssituation so easy überwunden wurde. Jede Reise in diese spannende Region zeigt uns immer wieder, was wir zu leisten im Stande sind und welche (viel existentielleren) Probleme man überwinden kann.

Spontanes Eheringshopping und Abflug

Am Abreisetag fahren wir vormittags nach Johannesburg und haben noch etwas Zeit, bis wir das Fahrzeug abgeben müssen. Wir machen einen kurzen Abstecher in die Glitzerwelt von Sandton City, wo noch spontan Eheringe für unsere anstehende Hochzeit gekauft werden und wie üblich die letzten Mitbringsel.

Die Fahrzeugübergabe funktioniert problemlos und am Abend sitzen wir im Flieger nach Istanbul, wo wir uns von unseren Mitreisenden verabschieden, die die Abbiegung in die Schweiz nehmen und wir landen wohlbehalten in Berlin.

Scheiße, es ist Herbst.

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