Chobe Nationalpark: Elephants Paradise

Von Nadine

Gespannt fahren wir durch die Mopanewälder auf sandigem Boden in Richtung Flusstal und hoffen auf die ersten wilden Tiere im Nationalpark. Oh Stopp, war das eben an dem Busch ein Elefant? Schnell den Rückwärtsgang eingelegt und siehe da, es ist ein Elefant, der sich nicht durch uns beim Frühstücken stören lässt. Und plötzlich tauchen aus dem Nichts zehn weitere Dickhäuter auf. Hach, eine große Familie. Erstaunlich wie leise und unaufgeregt die Tiere durch den Busch schleichen.

Weiter geht die Fahrt ins Tal zum Chobe Fluss und endlich sehen wir das Wasser und statt zehn, hunderte Elefanten, genauso wie Zebras, Büffel und Antilopen – alle tummeln sich am Fluss, um genug Flüssigkeit für den bevorstehenden heißen Tag aufzunehmen. Willkommen im Chobe Nationalpark!

Der erste Nationalpark in Botswana

Der Park direkt am Chobe Fluss (daher auch der Name) wurde nach Botswanas Unabhängigkeit im Jahre 1967 als erster Nationalpark in Botswana gegründet. Der Fluss bildet die Grenze des Parks zu Namibia, allerdings gibt es dort keine Zäune – es ist eine grüne Grenze. Dies ist für die Wanderung der Tiere, insbesondere der Elefanten und Zebras, wichtig.

Heutzutage leidet der Park unter den vielen Elefantenherden. Man munkelt, dass es über 100.000 Elefanten im Bereich des Chobe Nationalparks gibt. Da sie ungehindert auch in andere Länder wandern können, ist eine genaue Zählung schwierig. Zudem bevorzugen die Elefanten den botswanischen Boden, da dieser friedlich und das Jagen verboten ist. Ansonsten lieben die Dickhäuter die Mopane-Bäume am Fluss. So sehr, dass von den Bäumen nicht viel übrig bleibt, sondern diese kahlköpfig auf Elefantenhöhe ab gefressen werden.

Der Nationalpark ist sehr beliebt bei Touristen, weil dieser einfach mit dem Auto oder Flugzeug erreichbar ist. Bedauerlicherweise ist er dadurch sehr touristisch bevölkert und es kann passieren, dass bei einer Löwenfamilie plötzlich 10 Safariautos stehen und diese nur theoretisch hinter den Autos vermutet, aber nicht praktisch beglotzt werden können.

Der Park heute

Wer in den heutigen Zeiten nach Botswana reist und auf Safaritour gehen möchte, der kommt um den Chobe Nationalpark nicht herum. Schon das erste Mal, 2006, als ich den Park erkundete, habe ich mich direkt in ihn verliebt. Seitdem habe ich den Park viele weitere Male besucht. Dabei hat das Schutzgebiet am Chobe seine Faszination nie verloren. Die große Besonderheit ist, dass der Park nicht nur an Land, sondern auch per Boot auf dem Fluss erkundet werden kann. Dadurch ergibt sich ein völlig anderen Blick auf die Tiere und Landschaft.

Der Nationalpark ist die Heimat riesiger Elefantenherden und seine raue Landschaft am Fluss mit der großen Vielfalt an Tierarten ist einmalig. Wer viele wilde Tiere sehen will, der ist hier genau richtig und das Gute ist, ihr müsst sie nicht lange suchen.

Das Tor zum nördlichsten Park in Botswana ist Kasane, ein kleiner Ort, der sich heute komplett dem Tourismus widmet und auch selber schon im Schutzgebiet liegt, denn die Elefantenherden machen keinen Halt an der Ortsgrenze. Es kann schon mal passieren, dass einem die Dickhäuter auf dem Weg zum Supermarkt begegnen. Dies ist in Kasane Normalität und Einwohner und Touristen lassen die Tiere friedlich ihren Weg gehen. Kasane bietet Touristen alles was sie benötigen: Hotels, Campingplätze, Supermärkte und viele Agenturen, die Ausflüge in den Park organisieren. Nicht weit weg liegen die Victoria Wasserfälle in Sambia/Simbabwe, die von Kasane aus in einem Tagesausflug besichtigt werden können.

Der Eingang

Der Parkeingang liegt nur wenige Kilometer von Kasane entfernt. Am besten startet ihr sehr früh morgens in den Park, denn in den frühen Morgenstunden, wie auch in den späten Abendstunden vor dem Sonnenuntergang, sind die wilden Tiere am meisten in Bewegung und die Chancen auf Sichtung der Raubtiere steigt erheblich. Der Park öffnet mit dem Sonnenaufgang seine Tore, nach Sonnenuntergang darf sich im Dunkeln nicht mehr im Park bewegt werden.

Bisher gibt es keine Begrenzung der Fahrzeuge im Park. Er ist ist mit Privatauto befahrbar, dazu ist allerdings ein 4×4-Auto (Allrad) zwingend notwendig, denn es gibt keine geteerten Straßen (oftmals nur tiefsandige Pisten, besonders zum Ende der Trockenzeit). Wer eine entspannte Zeit haben will und Löwen garantiert sehen möchte, der sollte doch auf einen der vielen Safaritouranbieter aus Kasane zurückgreifen.

Der Tiefsand

Vor einigen Jahren im Oktober sind wir mit unserem Allradauto über Savuti in die Chobe-Region gefahren. Der Winter war trocken, entsprechend waren die Wege im Park tiefsandig und heiß. Es musste passieren, dass wir stecken bleiben. Eigentlich ist das Aussteigen aus dem Auto verboten (und nur an speziellen Punkten erlaubt), doch irgendwie musste der Toyota vom Sand befreit werden. Also raus aus dem Auto, Sand von den Rädern geschaufelt, Gehölz gesucht und Griff für die Reifen schaffen. Nach einigen Minuten der Aufregung war das Auto wieder befreit und wir verschwanden schnell ins Auto. Das Bangen, es könnte ein Löwe vorbeikommen, lässt unsere Herzen auch im Nachhinein höher schlagen.

Die Game Drives

Die letzten beiden Male besuchten wir den Park wieder organisiert mit professionell geführten Touren. Diese haben den Vorteil, dass die Safari-Guides den Park sehr gut kennen und genau wissen, wo die Löwen und Leoparden sich aufhalten bzw. wo ihre Wege sind. Nun ja, aber auch bei professionell organisierten Touren kann etwas schief gehen. Im letzten Jahr gehörte unser Safariauto leider zu den älteren Jahrgängen. Die Safari-Guides waren erfahren und spürten eine Löwenfamilie auf, die sehr nah am Wegesrand dösten und einen tiefen Blick in die Augen der Raubtiere erlaubten. Nur das Auto schien ebenfalls vor Ehrfurcht erstarrt und beschloss nicht wieder anspringen zu wollen. Nur 10 Meter vom 4WD entfernt, begannen die älteren Löwen unruhig zu werden. Selbiges galt für unseren Blutdruck. Die vielen Startversuche schienen die Löwen zu irritieren. Kurz bevor wir gefressen wurden, kam der Kollege, schubste uns mit seinem Auto an und gab uns etwas rustikale Starthilfe. Selten waren wir so froh Löwen nicht mehr sehen zu müssen.

Am besten schaut ihr euch den Chobe Park früh morgens auf dem Landweg an und macht am Nachmittag, meist ab 15 Uhr, eine Bootstour auf dem Chobe, die berühmt-berüchtigte Sundownertour in den wunderbaren Sonnenuntergang.

Die großen Elefantenherden sind nicht nur an Land faszinierend zu bestaunen, auch vom Wasser aus bieten sich wunderschöne Momente. Elefanten kommen abends ans Wasser zum Trinken, somit ist das Ufer ab 16 Uhr mit vielen großen und vielen kleinen Dickhäutern bevölkert. Das Schönste ist die Interaktion der Elefanten unter einander,die Jungen Wilden raufen im Wasser, der kleine einjährige Bulle ist mutig und ungestüm am Ufer und die Herdenmütter beraten wie und wann sie über den Fluss schwimmen, trotz der vielen Boote.
Und wenn abends gegen 18 oder 19 Uhr die Sonne untergeht, könnt ihr fast das Zischen der Sonne auf dem Fluss hören.

Die Übernachtungsmöglichkeiten

Im Park selber gibt es zwei Lodges, die Chobe Game Lodge und Chobe under Canvas, sowie einen Campingplatz (Ihaha). Der Vorteil an diesen Übernachtungsmöglichkeiten ist, dass ihr euch als allererstes früh im Park fortbewegt, die Löwenfamilie oder den Leoparden als erstes erspäht und einige Minuten für sich hat, bevor die anderen Touristen aus Kasane den Chobe Park bevölkern.

Zum Camping bevorzugen wir immer das Senyati Safari Camp, ein wenig außerhalb von Kasane, an der A33 Richtung Nata und direkt an der Grenze zu Simbabwe gelegen. Das Camp hat ein eigenes Wasserloch, welches regelmäßig Elefantenfamilien und Büffelherden sowie Giraffen und Zebras anzieht.

Aber auch die Übernachtungsmöglichkeiten in Kasane sind sehr groß und vom Luxushotel bis zur einfachen Lodge ist alles dabei.

Das Fazit

Selten ist es einfacher so leicht, so zahlreiche Tiere zu beobachten wie im Chobe Nationalpark. Insbesondere der Weg entlang des Chobe Rivers offenbart eine Masse und Vielfalt an Tieren, dass es leicht zu Nackenbeschwerden kommen kann, aufgrund der ständigen Kopfrotationen. Wo leicht viele Tiere zu sehen sind, sind leicht auch viele Touristen zu sehen. Dies gilt für die Besichtigung per Auto als auch per Boot. Das kann gelegentlich anstrengend werden. Wer mit Auto kommt, sollte unbedingt einen 4×4 besitzen, sonst wird es nach einigen Meter schwer mit der Besichtigung. Die Sandpisten sind streckenweise in der Trockenzeit doch sehr tief.

 

 

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